Nissan setzt auf KI-gestützte Fahrsysteme für den Massenmarkt

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Nissan plant KI in bis zu 90% seiner Modelle ein, mit AI Drive und AI Partner für autonomes Fahren und digitale Assistenz. Erfahren Sie mehr über die Strategie.

Nissan will künstliche Intelligenz in nahezu seine gesamte Modellpalette integrieren. Das Ziel: KI-gestützte Fahrsysteme sollen in bis zu 90 Prozent der künftigen Modelle zum Einsatz kommen. Damit verändert sich die Rolle des Autos grundlegend – es wird weit mehr als nur ein Transportmittel.

Der japanische Hersteller hat seine Langzeitstrategie „Mobility Intelligence for Everyday Life“ vorgestellt. Der Kern: Fahrzeuge sollen nicht mehr nur Menschen von A nach B bringen, sondern sich nahtlos in den Alltag einfügen. Es geht darum, Autos zu schaffen, die Kontext verstehen, sich in Echtzeit anpassen und den Fahrer unterstützen, ohne ständige Aufmerksamkeit zu fordern.

Im Zentrum dieser Vision steht das „KI-definierte Fahrzeug“. Es kombiniert zwei Schlüsselsysteme: „AI Drive“ konzentriert sich auf das Fahren und autonome Funktionen, während „AI Partner“ das Auto in einen digitalen Assistenten verwandelt. Dieser verbindet sich mit Smartphones und der Cloud, reagiert auf den Zustand des Fahrers und hilft bei der Erledigung von Aufgaben unterwegs. Nissan beschreibt einen Wechsel von regelbasierten Systemen hin zu Modellen, die aus realen Szenarien lernen und in komplexen Umgebungen Entscheidungen treffen.

Dieser Ansatz knüpft direkt an die Entwicklung der ProPILOT-Technologien an. Nissan hat bereits mit ProPILOT 2.0 ein System für freihändiges Fahren auf Autobahnen eingeführt. Die nächste Generation, die um 2027 erwartet wird, soll auch in städtischen Umgebungen funktionieren. Bestätigte Daten zeigen jedoch, dass diese Systeme weiterhin die Aufsicht des Fahrers erfordern – selbst wenn sie fortschrittlichere KI-Modelle und Sensoren wie Lidar integrieren.

Die Strategie ist vor dem Hintergrund einer sich rasant wandelnden Branche bedeutsam. Mercedes-Benz hat bereits Level-3-Automatisierung zertifiziert, Tesla treibt seine auf neuronalen Netzen basierenden Fahrsysteme voran, und chinesische Hersteller beschleunigen den KI-Einsatz. Nissan unterscheidet sich durch den Fokus darauf, diese Technologien für den Massenmarkt zu skalieren, anstatt sie auf Flaggschiffmodelle zu beschränken.

Die Elektrifizierung spielt eine unterstützende Rolle in diesem Wandel. Nissan baut sein e-POWER-System weiter aus, bei dem der Elektromotor stets die Räder antreibt, während der Verbrennungsmotor als Generator fungiert. Das bietet ein elektroähnliches Fahrgefühl ohne externe Lademöglichkeit. Gleichzeitig arbeitet der Hersteller an vollelektrischen Fahrzeugen und bestätigt Pläne, um 2028 Elektroautos mit Festkörperbatterien auf den Markt zu bringen.

Über den Antrieb hinaus integriert Nissan Fahrzeuge in größere Energiesysteme. Durch V2X-Technologien können Autos Haushalte mit Strom versorgen und Energienetze unterstützen. In Europa plant das Unternehmen ab 2026 eine zugänglichere bidirektionale Ladetechnik einzuführen, um eine praktikable, großflächige Nutzung voranzutreiben.

Partnerschaften sind eine weitere Säule der Strategie. Nissan arbeitet mit dem britischen Unternehmen Wayve an KI-Fahrtechnologien und mit Uber an autonomen Mobilitätsdiensten. Ein Pilotprojekt für Robotaxis mit Nissan LEAF-Fahrzeugen ist bis Ende 2026 für Tokio geplant – ein erster Schritt in Richtung realer Einsatz.

Der Technologiewandel geht mit einer Straffung der Modellpalette einher. Nissan wird sein globales Angebot von 56 auf 45 Modelle reduzieren, um klarer positionierte und effizientere Fahrzeuge zu fokussieren. Neue Modelle wie der X-Trail und Rogue mit e-POWER, der vollelektrische Juke, der zurückkehrende Xterra und ein neu interpretierter Skyline gelten als frühe Beispiele dieser Ausrichtung, auch wenn detaillierte Spezifikationen noch nicht vorliegen.

Parallel ändert Nissan die Art und Weise, wie Autos entwickelt werden. Die „Product Family“-Strategie setzt auf gemeinsame Plattformen und Komponenten, hat die Entwicklungszeit bereits um etwa 40 Prozent verkürzt und zielt darauf ab, Komplexität zu reduzieren und die Produktionsvolumen pro Modell zu steigern.

Geografisch konzentriert sich das Unternehmen auf drei Leitmärkte: Japan, die USA und China. Japan dient als Testfeld für neue Technologien, einschließlich autonomer Dienste. Die USA bleiben ein Schlüsselmarkt für umfangreiche Verkäufe. China fungiert als Drehscheibe für Entwicklung, Kosteneffizienz und Exporte.

Insgesamt positioniert Nissan seine künftigen Fahrzeuge als Teil eines größeren Ökosystems, das Mobilität, digitale Dienste und Energieinfrastruktur verbindet. Die eigentliche Bewährungsprobe dieser Strategie kommt, wenn neue ProPILOT-Systeme, elektrifizierte Modelle und autonome Dienste in den kommenden Jahren vom Konzept in die Serienproduktion übergehen.

Mark Havelin

2026, Apr 14 21:57