Warum Retro-Design bei Elektroautos verliert – und Vans punkten
Der Markt trennt sich vom Retro-Design: E-Autos mit Nutzwert und Elektro-Vans gewinnen. Beispiele von Dodge, VW, Stellantis. Trends und Technik kompakt.
Der Markt sendet inzwischen ein klares Signal: Nostalgie als Designprinzip ist keine Erfolgsgarantie mehr. Elektroautos, die sich stark auf Retro-Optik stützen, stoßen bei Käuferinnen und Käufern zunehmend auf Zurückhaltung. Damit rückt eine alte Grundsatzfrage wieder in den Mittelpunkt: Sollen Marken weiter auf imagegetriebene Stromer setzen – oder zu Fahrzeugen zurückkehren, die sich über Nutzen und Stückzahl definieren?
Die jüngsten Verkaufstrends zeigen die Grenzen der Verklärung. Sowohl der elektrische Dodge Charger Daytona als auch der Volkswagen ID. Buzz taten sich schwer, die kommerziellen Erwartungen zu erfüllen. Vor allem hohe Preise und begrenzte Reichweiten erwiesen sich als Hürden; die emotionale Anknüpfung an vertraute Formensprache konnte diese Defizite nicht dauerhaft ausgleichen. Am Ende zählt im Alltag eben, was funktioniert – und das spüren die Kunden.
Vor diesem Hintergrund gewinnt die Idee eines praktischen Familienautos wieder an Gewicht. In den späten 1980ern und 1990ern gehörte der Dodge Caravan in den USA zum Straßenbild – nicht wegen Status, sondern wegen Nutzwert. Viel Platz, ebener Innenboden, bezahlbar und effizient: So wurde er zum festen Bestandteil des Familienlebens, bis große SUVs das Segment schrittweise übernahmen. Die US-Produktion endete 2020, doch das zugrunde liegende Konzept ist nicht verschwunden.
Technisch liegen passende Bausteine bereits bereit. In Europa bietet Stellantis kompakte Elektro-Vans wie den Peugeot e-Partner, den Citroën ë-Berlingo und den Opel Combo Electric an. Diese Modelle kommen auf etwa 330 bis 345 Kilometer WLTP-Reichweite bei rund 50 kWh Batteriekapazität und gehören zur zweiten Generation der elektrischen Stellantis-Transporter, ausgelegt auf hohe Stückzahlen. Gleichzeitig gibt es bislang keine offizielle Bestätigung für einen neuen Caravan oder eine elektrische Dodge-Minivan-Variante.
Die Marktdynamik deutet dennoch auf frisches Interesse an funktionalen Formaten. Kia bringt mit dem PV5 das erste Serienmodell im Rahmen der PBV-Strategie, während Renault die elektrischen Varianten des Trafic und weiterer Nutzfahrzeuge ausbaut. Zusammen signalisiert das eine wachsende Nachfrage nach praktischen Elektro-Vans – besonders für den täglichen Einsatz in Stadt und Umland. Das wirkt im Ergebnis oft überzeugender als jede Retro-Romantik.
Auch technologisch zeigt sich eine längere Perspektive. Stellantis hat die Validierung von Festkörperzellen bestätigt und plant für 2026 eine Demonstrationsflotte; das Laden von 15 auf 90 Prozent soll dabei ungefähr 18 Minuten dauern. Mit einem konkreten Serienmodell ist diese Technik bisher allerdings nicht verknüpft.
Allen Garwin
2025, Dez 31 14:45