Xiaomi will 2026 550.000 Elektrofahrzeuge ausliefern
Xiaomi will 2026 550.000 Elektrofahrzeuge ausliefern. Wachstum durch YU7 und SU7, Profitabilität erreicht, Europa-Start ab 2027 geplant. Marktanalyse.
Xiaomi bereitet sich darauf vor, den Ausbau seines Automobilgeschäfts 2026 zu beschleunigen und setzt sich ein Auslieferungsziel von 550.000 Elektrofahrzeugen für das Jahr. Die Zahl entspricht einem Plus von 34 Prozent gegenüber 2025, als das Unternehmen mehr als 410.000 Fahrzeuge auslieferte. Gründer und CEO Lei Jun verkündete das Ziel in einem Neujahrs-Livestream und deutete an, Xiaomi könne zum schnellsten Autobauer werden, der die Marke von einer Million kumulierter Verkäufe erreicht.
Die Zuversicht speist sich aus jüngster Dynamik. Allein im Dezember 2025 lieferte Xiaomi mehr als 50.000 Fahrzeuge aus. Würde dieses Tempo anhalten, läge die Jahresproduktion nahe 600.000 Einheiten – das offizielle Ziel für 2026 wirkt damit eher bewusst vorsichtig als waghalsig.
Ein Großteil des Wachstums geht auf eine rasant wachsende Modellpalette zurück. Xiaomis zweites Serienmodell, der Crossover YU7, kam binnen nur sechs Monaten nach dem Marktstart auf 150.000 Auslieferungen. Das entspricht einem Tempo, das rund 2,3-mal höher liegt als die frühen Verkaufszahlen der Limousine SU7, die im Frühjahr 2024 eingeführt wurde. Der Vergleich zeigt, wie schnell die Automarke nach ihrem Debüt an Zugkraft gewonnen hat.
Im hart umkämpften chinesischen EV-Markt will Xiaomi zudem zu dem kleinen Kreis der Hersteller aufschließen, die die Millionengrenze beim Absatz überschritten haben. Leapmotor, Li Auto und Xpeng erreichten diese Marke 2025, Nio dürfte Anfang 2026 folgen. Für etablierte Autobauer braucht es dafür oft fast ein Jahrzehnt – ein Maßstab, der die hohe Schlagzahl von Xiaomis Expansion unterstreicht.
Finanziell hat das Unternehmen eine wichtige Hürde bereits genommen. Xiaomi meldete, dass die Sparte für EV und KI im dritten Quartal 2025 in die Gewinnzone drehte – etwa eineinhalb Jahre nach dem Start des SU7. Gleichwohl bleibt die Stimmung der Anleger verhalten: Sorgen über Überkapazitäten und nachlassende Nachfrage belasteten die Kursentwicklung des Unternehmens, zumal der Preiskampf im chinesischen EV-Sektor anhält.
Jenseits des Heimatmarkts bereitet Xiaomi den nächsten Schritt vor. In München wurde ein eigenes Forschungs- und Entwicklungszentrum für Elektroautos aufgebaut, zudem laufen Erprobungen in Deutschland – eng verknüpft mit dem Plan, 2027 in Europa zu starten.
Vor diesem Hintergrund aus scharfer Konkurrenz und jüngst angepassten Prognosen anderer chinesischer Hersteller wirkt das Auslieferungsziel für 2026 wie ein Kompromiss aus Mut und Maß. Der Marktdruck bleibt hoch, doch der jüngste Verkaufstrend deutet darauf hin, dass schnelleres Wachstum möglich ist, sofern die Nachfrage trägt.
Allen Garwin
2026, Jan 06 06:11