Mercedes-Benz feiert 140 Jahre Automobil auf der Retro Classics 2026
Entdecken Sie das Mercedes-Benz Classic Center auf der Retro Classics 2026: 140 Jahre Automobilgeschichte, Restaurierungsexpertise und neue Originalteile für Klassiker.
Im Februar 2026 rückt Stuttgart erneut in den Mittelpunkt der Automobilgeschichte. Auf der Retro Classics, die vom 19. bis 22. Februar stattfindet und ihr 25-jähriges Jubiläum feiert, lenkt Mercedes-Benz den Blick nicht nur auf Nostalgie. Die Ausstellung steht im Zeichen des 140. Jahrestags des Patents von Carl Benz aus dem Jahr 1886, das gemeinhin als Geburtsurkunde des Automobils gilt.
Dieses Jubiläum dient nicht als bloßes Symbol, sondern als roter Faden. In Halle 1 präsentiert Mercedes-Benz Heritage die Ergebnisse seiner Neuaufstellung und stellt das erweiterte Mercedes-Benz Classic Center in Fellbach ins Rampenlicht. Die 1993 eröffnete Einrichtung erlebt derzeit ihre größte Modernisierung: Die Werkstattkapazität hat sich nahezu verdoppelt, Arbeitsplätze wurden modernisiert, und bis zum Frühsommer 2026 soll der Standort zum weltweit größten spezialisierten Restaurations- und Servicezentrum für Mercedes-Benz-Fahrzeuge werden.
Das Classic Center bündelt Kompetenzen aus allen Epochen, von Vorkriegsautos über Youngtimer bis hin zu seltenen Rennfahrzeugen. Es betreut auch Fahrzeuge von Vorgängermarken sowie SLR McLaren- und Maybach-Modelle. Durch die Konzentration der Restaurationsdisziplinen unter einem Dach strebt das Zentrum werkseitige Authentizität und technische Präzision an.
Auf der Retro Classics wird diese Expertise greifbar. Drei SL-Modelle veranschaulichen verschiedene Jahrzehnte der sportlichen Markengeschichte. Am auffälligsten ist ein 300 SL Roadster (W 198) aus dem Jahr 1960, der als „Scheunenfund“ präsentiert wird und nach seiner Entdeckung in Pennsylvania erstmals in Deutschland zu sehen ist. Der 300 SL bleibt eines der ikonischsten Modelle von Mercedes-Benz: ein Serienfahrzeug mit mechanischer Direkteinspritzung, das etwa 260 km/h erreichen konnte und den technologischen Ehrgeiz der 1950er Jahre verkörpert.
Daneben steht eine 230 SL „Pagode“ (W 113), die zwischen 1963 und 1971 produziert wurde und ihren Namen der markanten Form ihres Hardtop-Dachs verdankt. Das Modell ist mit der Entwicklung der Mercedes-Benz-Reihensechszylinder wie dem M127, M129 und M130 verbunden. Das Trio komplettiert ein 300 SL aus der R107-Baureihe, eine der kommerziell erfolgreichsten Interpretationen der SL-Linie, die in den 1970er und 1980er Jahren produziert wurde.
Die Versorgung mit Originalteilen bildet eine weitere Säule der Präsentation. Das Programm Mercedes-Benz Classic Genuine Parts umfasst derzeit rund 160.000 Artikel. Für 2026 liegt ein besonderer Fokus auf der Nachfertigung einer Ölpumpe für die M108-, M114-, M129- und M130-Motoren, die in verschiedenen Modellreihen der 1960er Jahre zum Einsatz kamen. Da Originalpumpen in der Regel nicht reparierbar sind, wird eine werkgetreue Nachfertigung auf Basis der Werksunterlagen für den Erhalt der Authentizität entscheidend.
Eine Weltpremiere markieren neu gefertigte Lenkräder, darunter Versionen für den Mercedes-Benz 600 (W100). Der von 1963 bis 1981 produzierte 600 wurde für sein komplexes hydraulisches Komfortsystem bekannt, das Fenster, Sitze und weitere Funktionen steuerte. Die neuen Lenkräder verwenden das originale Material Celluloseacetatbutyrat und wurden in Zusammenarbeit mit dem TÜV Rheinland geprüft, um strenge Sicherheitsstandards zu erfüllen.
Die historische Dimension unterstreicht ein originaler 300 SLR (W 196 S) aus der firmeneigenen Sammlung. Das Modell ist untrennbar mit der Dominanz von Mercedes-Benz in der Mitte der 1950er Jahre verbunden, insbesondere bei der Mille Miglia 1955. Stirling Moss und Denis Jenkinson absolvierten das 992-Meilen-Rennen in 10 Stunden, 7 Minuten und 48 Sekunden bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 158 km/h. Im selben Rennen belegte John Fitch den fünften Gesamtrang und gewann die GT-Klasse in einem 300 SL. Die Ausstellung gedenkt auch Hans Herrmann, der im Januar 2026 verstarb und zu den Fahrern der Silberpfeil-Ära zählte.
Das Jubiläum reicht über die Ausstellungshallen hinaus. Im Rahmen der Initiative „140 Jahre. 140 Orte“ sind drei neue S-Klasse-Limousinen zu einer transkontinentalen Reise von mehr als 50.000 Kilometern über sechs Kontinente aufgebrochen, die im Oktober 2026 in Stuttgart enden soll. Die Wahl ist symbolträchtig: Offiziell seit 1972 mit der Baureihe W116 als S-Klasse bezeichnet, führte das Modell Innovationen wie das ABS im Jahr 1978 ein und dient seit langem als technologisches Flaggschiff.
Vom Patent mit der Nummer 37435, das Carl Benz anmeldete, bis zu den globalen Flaggschifftouren von heute präsentiert Mercedes-Benz sein Erbe nicht als Archiv, sondern als Rahmen für Kontinuität. Auf der Retro Classics 2026 wird die Vergangenheit sorgfältig kuratiert – und doch klar als Fundament für die Zukunft positioniert.
Mark Havelin
2026, Feb 17 08:33