Freihändige Fahrassistenzsysteme im Fokus: Nutzung steigt trotz Risiken
Erfahren Sie mehr über die zunehmende Verbreitung von freihändigen Fahrassistenzsystemen wie BlueCruise und Autopilot, ihre Sicherheitsbedenken und aktuelle Untersuchungen.
Vor wenigen Jahren noch als experimentelle Technologie wahrgenommen, gehören freihändige Fahrassistenzsysteme heute für viele Neuwagenkäufer bereits zum gewohnten Bild. Diese Entwicklung vollzieht sich, während bundesstaatliche Untersuchungen laufen und spektakuläre Unfälle die Technologie regelmäßig in den Fokus rücken.
Laut dem Wall Street Journal nimmt die Nutzung dieser Assistenzsysteme trotz anhaltender Sicherheitsbedenken zu. Systeme wie Teslas Autopilot, GMs Super Cruise oder Fords BlueCruise ermöglichen es dem Fahrzeug, auf bestimmten Autobahnabschnitten Tempo und Lenkung zu halten. Das reduziert die Arbeitslast des Fahrers – entbindet ihn aber nicht von seiner Verantwortung.
Ein klares Beispiel für die rasante Verbreitung liefert Ford. Das Unternehmen gab bekannt, dass Fahrzeuge in den USA im Jahr 2025 insgesamt 264 Millionen Meilen mit BlueCruise zurückgelegt haben. Das entspricht einem Anstieg von 88 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Seit dem Marktstart 2021 ist das System in neun Ford- und Lincoln-Modellen verfügbar. Die Zahlen deuten darauf hin, dass die Technologie für viele Fahrer keine Neuheit mehr ist, sondern etwas, auf das sie zunehmend vertrauen.
Gleichzeitig bleibt unklar, ob Fahrer wirklich verstehen, was diese Systeme leisten können und was nicht. Das Wall Street Journal verwies auf einen Unfall bei Toledo, Ohio, im Mai letzten Jahres, bei dem ein Ford F-150 einen Schutzplanken streifte und überschlug. Ein Insasse gab an, das System habe sich nicht deaktiviert, obwohl der Fahrer zu bremsen versuchte. Ford widerspricht dieser Darstellung. Nach Unternehmensangaben zeigen die Daten, dass BlueCruise deaktiviert war und mindestens 20 Sekunden vor dem Aufprall nicht aktiv gewesen sei. Die Untersuchung dauert an.
Die Aufsichtsbehörden betonen weiterhin eine klare Botschaft. Die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) hat sich zur Vorfahrt in Toledo nicht geäußert, solange die Prüfung läuft. Die Behörde wiederholt jedoch, dass es sich bei den heutigen freihändigen Technologien nach wie vor um Fahrerassistenzsysteme handelt – nicht um Ersatz für aufmerksame menschliche Kontrolle. NHTSA-Administrator Jonathan Morrison hat hervorgehoben, dass die Verantwortung für den Betrieb des Fahrzeugs beim Fahrer bleibt.
Diese Vorsicht wird durch frühere behördliche Untersuchungen gestützt. 2024 leitete die NHTSA eine Untersuchung zu BlueCruise ein, nachdem zwei tödliche Unfälle bekannt wurden. Dabei waren Ford Mustang Mach-E nachts auf Autobahnen mit stehenden Fahrzeugen kollidiert. Die Ermittler stellten in beiden Fällen fest, dass die Fahrer keine Ausweichmanöver unternommen hatten. Das unterstreicht, wie gefährlich es sein kann, wenn Fahrer die Fähigkeiten der Technologie überschätzen.
Das menschliche Verhalten ist seit jeher Teil der Herausforderung. Laut dem Wall Street Journal identifizierten interne Dokumente aus den Jahren 2018 und 2019 „typische Verständnisprobleme“ bei Tests ähnlicher Systeme, darunter GMs Super Cruise. Dieselben Tests deuteten jedoch darauf hin, dass sich Fahrer mit der Zeit schnell anpassten. Ford gibt an, vor der Markteinführung von BlueCruise 2021 zahlreiche Änderungen vorgenommen zu haben.
Trotz der Kritik scheint die Marktrichtung eindeutig. Freihändige Fahrassistenz wird immer verbreiteter, nicht weniger. General Motors hat mitgeteilt, dass sein kartiertes Super-Cruise-Netzwerk bis Ende 2025 voraussichtlich auf rund 750.000 Meilen Straßen in den USA und Kanada ausgedehnt wird. Das zeigt, wie intensiv die Hersteller in diese Technologie investieren.
Derzeit bleibt die zentrale Realität unverändert: Diese Systeme bewegen sich in einer Grauzone zwischen hilfreicher Assistenz und dem, was viele Fahrer fälschlicherweise als echtes autonomes Fahren interpretieren. Während die Untersuchungen weitergehen und die Hersteller ihre Software verfeinern, wird freihändiges Fahren voraussichtlich zu einem noch alltäglicheren Teil des Autobahnverkehrs. Vollständig autonomes Fahren ohne menschliche Aufsicht scheint jedoch nach wie vor ein fernes Ziel zu sein.
Allen Garwin
2026, Feb 18 08:00