Elektroautos verlieren im Winter bis zu 46% Reichweite bei extremen Temperaturen

Alexander Migl, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der El-Prix-Wintertest 2026 zeigt: Kein E-Auto erreicht seine WLTP-Reichweite bei -32°C. Ergebnisse mit Lucid Air, Mercedes, Audi und Tesla.

Der neueste Winter-Reichweitentest in Norwegen hat erneut ein Problem aufgezeigt, das Elektroautohersteller noch nicht vollständig gelöst haben: Extreme Kälte bleibt eines der größten Hindernisse für die Reichweite von E-Autos in der Praxis.

Die Winterausgabe 2026 des El-Prix-Tests, durchgeführt von NAF und Motor, setzte eine breite Auswahl an Elektrofahrzeugen unter extremen Bedingungen ein. Bei Temperaturen von bis zu -31 bis -32°C wurden die Autos auf einer Strecke mit Autobahn- und Bergstraßen gefahren, bis eine Weiterfahrt unmöglich oder unsicher wurde. So lieferte der Test einen direkten Einblick, wie weit die Fahrzeuge im tiefsten Winter tatsächlich kommen.

Die Ergebnisse waren schonungslos. Kein einziges Elektroauto erreichte seine offizielle WLTP-zertifizierte Reichweite, und viele Modelle verloren mehr als 40% der versprochenen Distanz. Das zeigt, dass selbst fortschrittliche Thermomanagementsysteme Winterverluste nur reduzieren, nicht aber beseitigen können.

Der Lucid Air legte insgesamt die längste Strecke zurück und kam auf 520 Kilometer. Verglichen mit seinem WLTP-Wert von 961 Kilometern bedeutet das jedoch einen dramatischen Rückgang um 46%. Andere bekannte Modelle zeigten ähnliche Muster. Der Mercedes-Benz CLA fiel von 710 auf 422 Kilometer (-41%), während der Audi A6 e-tron von 653 auf 402 Kilometer sank (-38%). Der BMW iX schaffte 388 statt 641 Kilometer (-39%), und das Tesla Model Y erreichte 359 statt 629 Kilometer (-43%). Sogar der neue Hyundai Ioniq 9 war auf 370 Kilometer begrenzt, verglichen mit seiner WLTP-Angabe von 600 Kilometern (-38%).

Die interessanteste Erkenntnis war jedoch nicht, welches E-Auto am weitesten fuhr. Stattdessen zeigte sich die eigentliche Geschichte darin, welche Modelle am nächsten an ihren offiziellen Reichweitenangaben blieben. Und hier nahm die Rangliste eine unerwartete Wendung.

Die geringsten prozentualen Verluste verzeichneten der MG6S EV und der Hyundai Inster, die jeweils nur um 29% abwichen. Es folgten der MG IM6 (-30%), der KGM Musso (-31%) und der Voyah Courage (-32%). Keines dieser Autos führte den Test in absoluten Kilometern an, doch sie stachen durch etwas hervor, das im Winter wichtiger ist: Konsistenz.

Auffällig ist, dass viele dieser stabileren Leistungsträger kleinere und effizienzorientierte Modelle sind. Geringeres Gewicht und moderate Leistungsanforderungen können hier zu weniger starken Wintereinbußen führen.

Für amerikanische Käufer hat die Schlussfolgerung eine ironische Wendung: Keiner der besten Winterleistungsträger nach prozentualer Abweichung wird offiziell in den USA verkauft. Der Hyundai Inster beispielsweise ist auf europäische Märkte ausgerichtet und wird mit 42-kWh- und 49-kWh-Batterieoptionen angeboten, während Modelle von Marken wie MG und Voyah auf bestimmte globale Regionen beschränkt bleiben.

Letztlich unterstreicht der El-Prix-Wintertest einen einfachen Punkt: In kalten Klimazonen zählt die Hauptreichweitenangabe weniger als die Frage, wie zuverlässig ein E-Auto diese bei sinkenden Temperaturen halten kann. Und wenn diese Ergebnisse ein Indikator sind, müssen Hersteller ihren Fokus möglicherweise zunehmend von rekordverdächtigen WLTP-Werten auf reale Effizienz und Energiemanagement für den Winterbetrieb verlagern.

Allen Garwin

2026, Feb 18 10:07