Elektroauto-Reparatur: Kosten, Komplexität und Trends

Pangalau, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Reparaturkosten für Elektrofahrzeuge sinken leicht, sind aber immer noch höher als bei Verbrennern. Erfahren Sie mehr über die Gründe, Trends und Versicherungsdaten.

Die Reparatur von Elektrofahrzeugen wird allmählich günstiger, bleibt aber komplexer und oft langsamer als bei Autos mit Verbrennungsmotor. Aktuelle Zahlen von Mitchell zeigen, dass die durchschnittlichen Reparaturkosten für reine Elektroautos (BEV) in den USA von 6.707 auf 6.395 Dollar gesunken sind – ein Rückgang von etwa fünf Prozent. Dennoch ist die Lücke zu konventionellen Fahrzeugen weiterhin spürbar, denn vergleichbare Verbrenner liegen im Schnitt bei rund 5.105 Dollar pro reparierbarem Schaden.

Zunächst wirkt der Trend ermutigend. Hinter der moderaten Kostensenkung verbirgt sich jedoch eine andere Dynamik: eine steigende Anzahl an Schadensmeldungen. Dem gleichen Bericht zufolge stiegen reparierbare Unfallschäden für Elektroautos in den USA um 14 Prozent und in Kanada sogar um 24 Prozent. Je mehr elektrifizierte Fahrzeuge auf die Straße kommen, desto stärker wächst der Druck auf die Reparaturbranche.

Der Kern des Problems liegt in der strukturellen Komplexität. Moderne Elektroautos zeichnen sich durch dichte elektrische Architekturen, softwaregesteuerte Systeme und sensorbasierte Designs aus. Nach einem Unfall müssen Werkstätten nicht nur beschädigte Teile ersetzen, sondern auch zusätzliche Diagnoseprozesse und Kalibrierungen durchführen. Im Durchschnitt benötigen reine Elektroautos 1,70 Kalibrierungen pro Kostenvoranschlag – bei Hybriden sind es 1,63 und bei Verbrennern 1,54. Jede Kalibrierung kostet zusätzliche Zeit, Arbeitskraft und Geld.

Auch die Teileauswahl spielt eine Rolle. Laut Mitchell sind bei BEV-Reparaturen etwa 86 Prozent der Teilekosten an Originalkomponenten gebunden, während es bei Verbrennern nur rund 62 Prozent sind. Gleichzeitig ist der Anteil reparierbarer Teile bei Elektroautos geringer. Diese Kombination treibt die Gesamtrechnung tendenziell in die Höhe.

Kundenerfahrungsdaten untermauern dieses Bild. Erkenntnisse von CDK zeigen, dass 34 Prozent der Besitzer von Nicht-Tesla-Elektroautos längere Service- oder Reparaturzeiten im Vergleich zu Benzinfahrzeugen melden; bei Tesla-Eigentümern sind es 23 Prozent. Der Anteil der noch am selben Tag abgeschlossenen Reparaturen sank von 40 auf 28 Prozent, und Wiederholungsbesuche sind häufiger geworden.

Deutsche Versicherungsdaten deuten in eine ähnliche Richtung, auch wenn die Lücke schrumpft. Laut GDV liegen die durchschnittlichen Vollkaskoschäden für Elektroautos derzeit etwa 15 bis 20 Prozent höher als bei vergleichbaren Verbrennern – zuvor war von 20 bis 25 Prozent die Rede. Versicherer führen die Veränderung teilweise auf wachsende Werkstatterfahrung und etabliertere Verfahren zurück, einschließlich Sicherheitsmaßnahmen im Umgang mit Hochvolt-Systemen nach Unfällen.

Wichtig ist, dass höhere Reparaturkosten nach Kollisionen nicht automatisch zu höheren Gesamtkosten führen. Der ADAC berichtet, dass die routinemäßige Wartung von Elektrofahrzeugen deutlich günstiger ist – nach seiner Einschätzung mindestens ein Drittel weniger als bei vergleichbaren Verbrennern. Mit weniger beweglichen Teilen und reduziertem Wartungsbedarf gleichen Elektroautos ihre Reparaturkomplexität oft durch geringere tägliche Serviceanforderungen aus.

Das Ergebnis ist eine differenzierte Realität. Elektrofahrzeuge können im regulären Betrieb günstiger im Unterhalt sein, erfordern bei Karosseriereparaturen jedoch mehr Aufwand und Zeit. Solange Fahrzeuge stark digitalisiert und auf fortschrittliche Sensorsysteme angewiesen bleiben, wird sich das Reparatur-Ökosystem weiter an die technischen Anforderungen des Elektrozeitalters anpassen müssen.

Allen Garwin

2026, Feb 23 05:27