Zwischenbeschleunigung: Die wichtigste Zahl für sicheres Fahren

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Erfahren Sie, warum die Beschleunigung von 60 auf 100 km/h im Alltag entscheidend ist, wie sie gemessen wird und welche Faktoren die Fahrzeugperformance beeinflussen.

Fast jeder Autokäufer hat sich schon einmal dieselbe einfache Frage gestellt: Wie schnell beschleunigt das Auto von 0 auf 100 km/h? Diese Zahl ist längst zu einer Art Währung in der Automobilwelt geworden. Doch jenseits von Prospektangaben und Schlagzeilen erzählt der Alltag auf der Straße eine andere Geschichte.

Im täglichen Verkehr ist nicht der stehende Start entscheidend, sondern die Beschleunigung aus der Bewegung heraus. Deshalb richten Experten ihren Blick zunehmend auf die sogenannte Zwischenbeschleunigung – typischerweise von 60 auf 100 km/h oder von 80 auf 120 km/h. Genau in diesen Geschwindigkeitsbereichen überholt man auf Landstraßen oder fädelt sich auf Autobahnen ein.

In deutschen Fahrzeugtests gilt die Beschleunigung von 60 auf 100 km/h als besonders praxisrelevant. Eine Zeit zwischen 5,5 und 8 Sekunden wird als ausreichend für sichere und souveräne Manöver angesehen. Diese Sekunden schlagen sich in Metern nieder: In diesem Zeitraum legt ein Fahrzeug etwa 122 bis 178 Meter zurück. Da eine typische Autobahn-Einfädelspur rund 250 Meter lang ist, wird der Zusammenhang zwischen Leistung und Sicherheit greifbar.

Ebenso wichtig ist die Messmethode. Die Zwischenbeschleunigung wird oft in einem bestimmten Gang geprüft – ohne herunterzuschalten. So zeigt sich, wie kräftig der Motor aus eigener Kraft zieht. Dieser „Im-Gang“-Ansatz bildet reale Verkehrssituationen besser ab, in denen Fahrer nicht immer im Voraus den idealen Gang wählen.

Vor diesem Hintergrund verliert die berühmte 0–100-km/h-Zahl an Allgemeingültigkeit. Die Messstandards bergen Feinheiten, etwa die Definition des Zeitnullpunkts oder den sogenannten One-Foot Rollout, bei dem die Zeitmessung effektiv erst nach dem ersten Fuß Fahrweg beginnt. Unterschiedliche Verfahren können zu unterschiedlichen Ergebnissen führen, was direkte Vergleiche weniger eindeutig macht, als sie scheinen.

Hinzu kommt eine technische Dimension. In der Ingenieurssprache beschreibt die Elastizität eines Motors das Verhältnis zwischen der Drehzahl bei maximalem Drehmoment und der Drehzahl bei maximaler Leistung. Ein breiter nutzbarer Bereich zwischen diesen Spitzenwerten bedeutet in der Regel weniger Gangwechsel und ein flexibleres Fahrverhalten. Moderne Turbomotoren liefern zwar oft hohes Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen, doch ihre Reaktion kann von einem Turboloch beeinflusst sein – der Verzögerung, die entsteht, während die Turbine mittels Abgasen hochdreht.

Ein weiterer entscheidender Wert ist das Leistungsgewicht. Der Vergleich von Motorleistung und Fahrzeugmasse liefert ein klareres Bild als die PS-Zahl allein. Die Definition des Fahrzeuggewichts variiert, und die reale Beladung – mit Passagieren und Gepäck – wirkt sich unmittelbar auf das Beschleunigungsvermögen aus. Selbst ein Auto mit nominell ausreichender Leistung kann sich voll beladen deutlich anders anfühlen.

Sicherheitsexperten warnen zudem, dass eine Überschreitung der zulässigen Last das Risiko in kritischen Situationen erhöht und sich negativ auf Fahrverhalten und Bremsleistung auswirken kann. Zusätzliche Masse verändert nicht nur die Bremsdynamik, sondern auch das Beschleunigungsverhalten beim Überholen oder Einfädeln.

Letztlich ist echte Performance mehr als eine Schlagzeilenzahl. Zwischenbeschleunigung, Messmethodik, Drehmomentverlauf, Leistungsgewicht und tatsächliche Beladung bestimmen gemeinsam, wie souverän ein Fahrer alltägliche Manöver ausführen kann. In diesem Sinne sind die wichtigsten Zahlen oft nicht jene, die ab Null gemessen werden, sondern jene, die bei den Geschwindigkeiten ermittelt werden, in denen das wirkliche Fahren stattfindet.

Ethan Rowden

2026, Feb 27 08:01