Adolf Rosenberger: Die vergessene Geschichte des Porsche-Mitgründers

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Entdecken Sie die neue Studie über Adolf Rosenberger, Mitgründer von Porsche, seine Rolle als Finanzier und Rennfahrer, und wie er in der NS-Zeit verdrängt wurde.

Die Geschichte von Porsche hat eine wichtige neue Facette erhalten, denn erstmals wurde das Leben eines Mitgründers, Adolf Rosenberger, tiefgehend untersucht. Eine neue wissenschaftliche Studie des Bonner Historikers Joachim Scholtyseck rückt eine Figur ins Blickfeld, deren Rolle in den frühen Jahren des Unternehmens lange übersehen wurde.

Rosenberger wurde offiziell am 25. April 1931 neben Ferdinand Porsche und Anton Piëch Mitgründer der Dr. Ing. h.c. F. Porsche GmbH. In der Gründungsphase war er für Finanzen und Kundenbeziehungen verantwortlich und stellte entscheidendes Startkapital sowie Geschäftskontakte bereit, die das junge Konstruktionsbüro stabilisierten.

Zuvor hatte sich Rosenberger in den 1920er Jahren bereits als erfolgreicher Rennfahrer etabliert. Deutsche Quellen belegen zahlreiche Siege und Podestplätze bei europäischen Veranstaltungen, darunter Bergrennen und Rundstreckenrennen. Seine Sportkarriere wurde jedoch von einem schweren Unfall auf der AVUS 1926 überschattet, woraufhin er sich weitgehend vom Wettkampfsport zurückzog.

Die Wende kam Mitte der 1930er Jahre. 1933 schied Rosenberger aus der Unternehmensführung aus, und bis 1935 musste er unter dem Druck der NS-„Arisierungspolitik“ seine Porsche-Anteile zum Nennwert übertragen. Im selben Jahr wurde er verhaftet und vorübergehend im KZ Kislau inhaftiert.

Nach seiner Freilassung arbeitete Rosenberger weiterhin von Paris aus mit Porsche zusammen und verwaltete Patent- und Lizenzgeschäfte im Ausland. Diese Kooperation endete jedoch 1937. 1938 emigrierte er in die USA, wo er unter dem Namen Alan A. Robert versuchte, seine Karriere neu aufzubauen, allerdings mit nur begrenztem Erfolg.

Die Nachkriegsjahre erwiesen sich als ebenso schwierig. Rosenberger suchte Entschädigung für den Verlust seiner Unternehmensanteile, was 1950 zu einer Einigung führte. Das finanzielle Ergebnis fiel im Vergleich zu seinen Forderungen bescheiden aus, und weitere Wiedergutmachungsbemühungen brachten keine wesentlich besseren Ergebnisse.

Die neue Studie basiert auf einer umfassenden Auswertung von Archivmaterial, darunter bisher unerschlossene Dokumente aus dem Familienarchiv Rosenberger sowie Unterlagen aus dem Porsche-Firmenarchiv. Dies ermöglichte eine detaillierte Rekonstruktion seines Lebens, von seiner Jugend in Pforzheim bis zu seinen Versuchen, nach 1945 wieder Kontakt zu Porsche aufzunehmen.

Das Projekt entstand durch eine Kooperation zwischen Porsche und der Adolf Rosenberger gGmbH, einer 2019 von seinen Nachkommen gegründeten Organisation. Ein Grundprinzip der Forschung war ihre Unabhängigkeit, wobei alle Beteiligten im Voraus zustimmten, die Ergebnisse unabhängig von ihren Schlussfolgerungen zu akzeptieren.

Die Ergebnisse wurden am 19. März 2026 auf einem wissenschaftlichen Symposium an der Emory University in Atlanta vorgestellt, und die Biografie ist nun auf Deutsch und Englisch veröffentlicht. Für Porsche ist das Projekt Teil einer breiteren Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit, einschließlich ihrer komplexeren historischen Kapitel.

Die Wiedereinführung Rosenbergers in die Porsche-Erzählung füllt nicht nur eine historische Lücke – sie verändert das Verständnis der Unternehmensgründung, indem sie sowohl seinen bedeutenden Beitrag als auch die Umstände, unter denen sein Vermächtnis beiseitegeschoben wurde, hervorhebt.

Mark Havelin

2026, Mär 20 12:01