Die DuoBell: Eine Fahrradklingel, die trotz Geräuschunterdrückung zu hören ist

Škoda DuoBell: Fahrradklingel für Noise-Cancelling-Kopfhörer
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Škoda Auto hat die DuoBell entwickelt, eine mechanische Fahrradklingel, die auch mit aktiver Geräuschunterdrückung hörbar ist. Sie nutzt eine Frequenz von 750 Hz, um Unfälle zu vermeiden.

Eine Fahrradklingel, die trotz aktiver Geräuschunterdrückung zu hören ist – diese Lösung hat Škoda Auto entwickelt, um das wachsende Problem abgelenkter Fußgänger mit Kopfhörern anzugehen.

Die DuoBell entstand als Reaktion auf einen klaren urbanen Trend: Mit der steigenden Zahl von Radfahrern wächst auch das Risiko von Kollisionen mit Fußgängern. Allein in London, wo täglich etwa 1,5 Millionen Fahrradfahrten stattfinden, verfügen bis zu 54 % der verkauften Kopfhörer über aktive Geräuschunterdrückung, während Unfälle zwischen Radfahrern und Fußgängern in einem einzigen Jahr um 24 % zunahmen.

Der Kern des Problems liegt in der Funktionsweise der ANC-Technologie. Durch das Erzeugen einer invertierten Schallwelle unterdrückt sie externe Geräusche, allerdings nicht über alle Frequenzen hinweg. Diese Einschränkung wurde zum Ausgangspunkt des Projekts.

In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der University of Salford testete das Team hunderte Tonsignale an mehreren führenden Kopfhörermodellen und identifizierte ein schmales Frequenzband um 750 Hz, das ANC-Systeme nicht effektiv unterdrücken können. Dieser Bereich wurde als „Sicherheitslücke“ definiert.

Die DuoBell baut auf dieser Entdeckung auf. Ihr Design kombiniert einen Primärton bei etwa 750 Hz mit einer zusätzlichen Frequenz, um die Hörbarkeit zu verstärken. Trotz des fortschrittlichen Konzepts bleibt die Klingel vollständig mechanisch. Ingenieure passten die Materialstärke an und führten präzise strukturelle Modifikationen ein, um die erforderliche Frequenz zu erreichen, ohne die Größe des Geräts zu erhöhen.

Tests zeigten messbare Ergebnisse. In Simulationen konnten Fußgänger einen herannahenden Radfahrer bis zu 22 Meter früher wahrnehmen und gewannen im Vergleich zu einer herkömmlichen Klingel etwa fünf Sekunden – ein Unterschied, der darüber entscheiden kann, ob eine Kollision vermieden wird.

Praxistests auf den Straßen Londons mit Zustellfahrern bestätigten die Erkenntnisse. Teilnehmer berichteten, dass die Klingel deutlich bemerkbar und im alltäglichen Verkehr effektiver als konventionelle Lösungen sei.

Das Projekt spiegelt zudem Škodas langjährige Verbindung zum Radsport wider. Das Unternehmen, das vor mehr als 130 Jahren als Fahrradhersteller begann, unterstützt weiterhin große Radsportveranstaltungen. Die DuoBell führt dieses Erbe in einen modernen Kontext fort, der von neuen urbanen Herausforderungen geprägt ist.

Škoda plant, seine Forschung öffentlich zugänglich zu machen und untersucht einen breiteren Einsatz der Lösung. Während London als Testfeld diente, zielt das Konzept auf Städte weltweit ab, in denen steigende Radaktivität auf die verbreitete Nutzung von Noise-Cancelling-Kopfhörern trifft.

Mark Havelin

2026, Apr 07 21:25