Elektrischer MAN eTGS Ultra fährt von Paris nach Berlin
Der elektrische MAN eTGS Ultra absolviert eine 1.000 km lange Reise von Paris nach Berlin, um die Machbarkeit des elektrischen Fernverkehrs in Europa zu demonstrieren.
Ein elektrischer MAN eTGS Ultra hat sich auf eine etwa 1.000 Kilometer lange Reise von Paris nach Berlin begeben. Ziel ist es, unter realen Bedingungen zu zeigen, dass der elektrische Fernverkehr in Europa bereits machbar ist.
Die Strecke, die vom 15. bis 23. April führt, umfasst Stopps an Milence-Ladepunkten in vier Ländern. Das Netzwerk selbst ist ein Joint Venture der TRATON Group, Daimler Truck und der Volvo Group. Es soll eine der größten Herausforderungen in der elektrischen Logistik angehen: den Mangel an dedizierter Hochleistungsladeinfrastruktur für schwere Lkw. Bis 2027 plant Milence, mindestens 1.700 Hochleistungsladepunkte in Europa einzurichten, darunter auch Megawatt-Systeme.
Für MAN geht es bei der Fahrt nicht nur um die Vorstellung eines Fahrzeugs, sondern um den Test eines gesamten Ökosystems. Der eTGS Ultra und der eTGX Ultra sind derzeit die einzigen Serien-Elektrolkw mit einer niedrigen Sattelplattenhöhe. Das ermöglicht den Einsatz von voluminösen Aufliegern und steigert die Ladekapazität – bis zu 67 Europaletten in bestimmten Konfigurationen – bei Einhaltung der gesetzlichen Höhengrenzen. Gleichzeitig bieten die Lkw eine Reichweite von etwa 500 bis 570 Kilometern ohne Zwischenladung. Mit Megawatt-Ladesystemen lassen sich die Batterien in rund einer halben Stunde auffüllen.
Die Bedeutung dieser Demonstration wird im weiteren Kontext deutlicher. Elektrische Lkw von MAN haben in Europa bereits Millionen Kilometer im Kundenbetrieb zurückgelegt. Logistikunternehmen wie DACHSER und DB Schenker setzen sie in regulären Transportzyklen ein. Dabei erreichen Tagesstrecken teilweise bis zu 850 Kilometer mit geplanten Ladestopps. Das zeigt, dass der elektrische Fernverkehr nicht mehr auf Pilotprojekte beschränkt ist.
Die Wirtschaftlichkeit spielt eine zunehmende Rolle. Studien deuten darauf hin, dass batterieelektrische Lkw bei intensiver Nutzung tendenziell geringere Gesamtkosten als Dieselfahrzeuge aufweisen. Allerdings hängt dieser Wandel stark vom Infrastrukturausbau ab. Europäische Vorgaben sehen bereits klare Ziele vor: Ladesäulen für schwere Nutzfahrzeuge sollen in Abständen von 60 bis 100 Kilometern entlang der Hauptkorridore entstehen, mit stetig steigender Leistungskapazität.
MAN begegnet diesem Wandel mit einer umfassenden Strategie, die Fahrzeuge mit Dienstleistungen kombiniert. Das Angebot umfasst Zugang zum öffentlichen Laden über Charge&Go, digitale Tools zur Überwachung von Energieverbrauch und Fahrzeugstatus, Finanzierungslösungen und Fahrerschulungen. Ziel ist es, den Umstieg auf den elektrischen Transport für Flottenbetreiber handhabbarer zu machen. Die großflächige Einführung hängt jedoch weiterhin vom Tempo des Infrastrukturausbaus ab.
Die Fahrt von Paris nach Berlin dient letztlich als Praxistest für das gesamte System – von der Batterieleistung und Routenplanung bis zum Ladezugang und der digitalen Integration. Wenn diese Elemente im Alltagsbetrieb weiterhin zusammenpassen, könnte der elektrische Fernverkehr schneller als bisher erwartet von Demonstrationsprojekten zur Standardpraxis werden.
Mark Havelin
2026, Apr 16 09:02