Mercedes-Benz GLB als E-SUV: 800-Volt, 320 kW DC, bis 631 km WLTP
Technikfacts zum neuen Mercedes-Benz GLB: 800-Volt-Architektur, bis 320 kW DC, 631 km WLTP, Zweigang-Getriebe, MB.DRIVE Assist, bidirektionales Laden und MBUX.
Mercedes-Benz hat frische Technik- und Designfakten zum neuen GLB veröffentlicht und stellt den Kompakt-SUV als ebenso ingenieursgetrieben wie alltagstauglich vor – mit starkem Fokus auf digitale Funktionen und Bedienbarkeit. Im Mittelpunkt stehen Antrieb, Sicherheit und Assistenz auf der einen Seite sowie Gestaltung und Aerodynamik auf der anderen – eine besonders sinnvolle Kombination bei einem Elektro-Modell, weil gute Luftführung sich direkt in Reichweite auszahlen kann.
Zum Start nennt Mercedes-Benz zwei vollelektrische Varianten: den GLB 250+ mit EQ Technology und den GLB 350 4MATIC mit EQ Technology. Für den GLB 250+ wird eine Reichweite von bis zu 631 Kilometern (WLTP) angegeben, gestützt auf eine 800-Volt-Elektrik. So sollen kurze Ladestopps möglich sein: An 800-Volt-Schnellladern sind laut Hersteller bis zu 320 kW DC machbar, unter ISO/SAE 12906-Bedingungen lassen sich in 10 Minuten bis zu 260 Kilometer (WLTP) nachladen. Für 400-Volt-Infrastruktur beschreibt Mercedes-Benz einen optionalen DC-Wandler. Wechselstrom lädt mit bis zu 22 kW, wobei 11 kW Serie und 22 kW optional sind. Auf dem Papier klingt das nach sehr alltagstauglichen Ladefenstern.
Die Erzählung zum E-Antrieb dreht sich um Effizienz und Zugkraft. Im Mittelpunkt steht die neue Electric Drive Unit EDU 2.0 mit einer angegebenen Wirkungsgradkette von 93 % von der Batterie bis zum Rad auf langen Strecken. Der Hauptantrieb ist hinterradgetrieben – ein Layout, das man eher aus höheren Fahrzeugklassen kennt und das dem GLB in dieser Klasse technisch Gewicht verleiht. Zur Hardware zählen ein permanent erregter Synchronmotor (PSM), ein Siliziumkarbid-Inverter (SiC) für mehr Effizienz sowie ein geringerer Anteil schwerer Seltenerdmetalle gegenüber der Vorgängergeneration.
Bemerkenswert ist das Zweigang-Getriebe an der Hinterachse. Der erste Gang ist kurz ausgelegt für kräftiges Anfahren, Anhängerbetrieb und Effizienz im Stadtverkehr; der zweite Gang liefert Leistung bei höherem Tempo und optimiert den Verbrauch auf Autobahnen – die Höchstgeschwindigkeit wird laut Hersteller im zweiten Gang erreicht. Dieser Ansatz wirkt im E-SUV-Segment angenehm zielgerichtet.
Im GLB 350 4MATIC ergänzt Mercedes-Benz eine 80-kW-Frontantriebseinheit, die als „Boost“-Motor agiert und bei Bedarf Leistung oder Traktion beisteuert. Eine Disconnect Unit (DCU) kann den vorderen Motor bei geringer Last abkoppeln; so lassen sich laut Hersteller die Verluste an der Vorderachse um bis zu 90 % senken – ein klarer Vorteil für die Reichweite.
Bei der praktischen Nutzbarkeit nennt Mercedes-Benz eine Anhängelast von bis zu zwei Tonnen für die vollelektrischen GLB-Modelle in Kombination mit einer optionalen halb-elektrischen Anhängevorrichtung – damit rücken auch ausgewachsene Wohnwagen in Reichweite. Zudem sei der GLB für bidirektionales Laden (Vehicle-to-Home und Vehicle-to-Grid) vorbereitet; die Funktion soll nach dem Marktstart per Over-the-Air-Update folgen, abhängig von Marktregularien und Anforderungen der Energieversorger. Das passt zum Gesamtbild eines Fahrzeugs, das mit der Zeit mehr kann.
Auch über die Bremse holt der GLB Effizienz heraus. Das neue One-Box-Bremssystem soll die Energierückgewinnung optimieren; die Rekuperationsleistung wird mit bis zu 200 kW angegeben. Es stehen vier Rekuperationsmodi zur Wahl (darunter Segeln ohne Reku sowie eine intelligente Automatik). In der Automatik kann ein ECO Assistant zum Lupfen auffordern und das Fahrzeug in bestimmten Situationen bis zum Stillstand verzögern – praxisnah, wenn man vorausschauend fährt.
Die Fahrerassistenz fasst Mercedes-Benz unter dem Dach MB.DRIVE zusammen. Für Europa ist die Hardware-Basis mit acht Kameras, fünf Radarsensoren und 12 Ultraschallsensoren definiert, gesteuert von einem wassergekühlten Hochleistungsrechner mit Reserven für künftige Funktionen sowie regelmäßige OTA-Updates. Optional sind digitale Pakete verfügbar – vom MB.DRIVE ASSIST (SAE Level 2) mit Spurwechselunterstützung bis zu später geplanten, erweiterten Assistenzfunktionen. Das Parken wurde ebenfalls weiterentwickelt: bessere Platzerkennung, Unterstützung für Schrägparken und automatisierte Ausparkmanöver.
In der passiven Sicherheit nennt Mercedes-Benz strukturelle Maßnahmen wie eine Wabenstruktur in den Seitenschwellern zur besseren Seitenaufprallenergieabsorption und führt einen zentralen Airbag serienmäßig ein. Die Hochvoltsicherheit folgt einem mehrstufigen Konzept mit reversibler und irreversibler Abschaltung je nach Crash-Schwere; zudem gibt es definierte Trennpunkte für Rettungskräfte.
Nach dem EV-Start skizziert Mercedes-Benz zudem einen Hybridpfad: ein 48-Volt-Hybrid mit E-Motor, integriert in ein kompaktes achtstufiges eDCT. Der Hybrid kann unter bestimmten Bedingungen innerorts elektrisch fahren, beherrscht „elektrisches Segeln“ bis rund 100 km/h und rekuperiert bis zu 25 kW. Als Verbrenner kommt der M 252 zum Einsatz, ein 1,5-Liter-Vierzylinder aus der FAME-Familie im Miller-Zyklus mit 12:1 Verdichtung und Fokus auf Laufkultur und Geräuschkomfort.
Optisch setzt Mercedes-Benz stark auf eine lichtbasierte Markensignatur. Vorn prägt ein illuminiertes Paneel die Front, das den klassischen Grill neu interpretiert – mit einem Muster aus 94 Sternen in Chromoptik sowie Welcome- und Goodbye-Animationen. Die Beleuchtung des Zentralsterns ist rechtlich marktabhängig. Ansonsten bleibt der Auftritt SUV-klassisch: aufrechte Haltung, kurze Überhänge und Räder bis 20 Zoll. Die Licht-Inszenierung setzt sich mit Sternelementen in den Scheinwerfern und einer Leiste zwischen den Rückleuchten fort. Das wirkt modern, ohne aufdringlich zu sein.
Ein Highlight ist die Panoramadach-Technik. Das optionale SKY CONTROL-Dach kann seine Transparenz segmentweise in 10 bis 20 Millisekunden ändern – mit klaren, opaken und Motiv-Einstellungen. Außerdem gibt es einen Sternenhimmel-Effekt mit 158 beleuchteten Sternen, gekoppelt an die Ambientebeleuchtung. Mercedes-Benz merkt an, dass das SKY CONTROL-Dach mit beleuchtetem Muster später kommen soll und sich der Zeitpunkt ändern kann.
Im Innenraum setzt Mercedes-Benz auf eine reduzierte Architektur mit Hightech-Fokus, angeführt vom optionalen MBUX Superscreen. Genannt werden ein 10,25-Zoll-Fahrerdisplay und ein 14-Zoll-Zentralbildschirm; ein zusätzlicher 14-Zoll-Display für den Beifahrer ist nach Marktstart geplant. Ohne Beifahrer-Display führt eine Zierblende mit Sternmuster die glasartige Optik fort, auf Wunsch hinterleuchtet. Erwähnt werden außerdem die Lenkradtasten – inklusive Rückkehr der physischen Wippen für Limiter und DISTRONIC sowie einer Lautstärkerolle, als Reaktion auf Kundenfeedback. Eine kleine, aber spürbare Verbesserung im Alltag.
Für ein Elektroauto messbar relevant: die Aerodynamik. Mercedes-Benz nennt einen Luftwiderstandsbeiwert von cd = 0,28 bei einer Stirnfläche von 2,6 m² und betont, dass der Gesamtluftwiderstand (cd × A) trotz etwas größerer Stirnfläche niedriger ausfällt als beim Vorgänger. Dazu tragen geglättete Schürzen vorn und hinten, abgedichtete Fugen, optimierte A-Säulen und Spiegel, eine weitgehend geschlossene Unterbodenverkleidung sowie aerodynamisch optimierte Räder und Reifen bei. Verbessert wurden auch die Aeroakustik – mit besserer Abdichtung, Dämmung und optionalem geräuschdämmendem Verbundglas an den vorderen Seitenscheiben. Zudem helfen Details dabei, ab etwa 80 km/h die Verschmutzung an Seitenscheiben und Spiegelgläsern zu reduzieren.
In der eigenen Einordnung präsentiert Mercedes-Benz den neuen GLB als Elektro-SUV, der schnelle Ladepausen dank 800-Volt-Architektur, einen auf Effizienz getrimmten E-Antrieb mit Zweigang-Getriebe und eine ausgeweitete Assistenzplattform für laufende OTA-Updates zusammenbringt. Der Fokus auf künftige Software-Freischaltungen – von Assistenzfunktionen bis zum bidirektionalen Laden – zeigt, dass der GLB nicht nur als Hardware gedacht ist, sondern als Fahrzeug, das seine Fähigkeiten nach dem Start weiter ausbaut.
Mark Havelin
2025, Dez 10 20:17