Ferdinand Alexander Porsche: der 911-Schöpfer und die Design-DNA der Marke

Ferdinand A. Porsche: Designer hinter dem 911-Mythos
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Zum 90. Geburtstag von Ferdinand Alexander Porsche: Wie der 911-Schöpfer die Design-DNA von Porsche und Porsche Design prägte – vom 904 bis zum Chronograph I.

Am 11. Dezember 2025, an dem Ferdinand Alexander Porsche 90 Jahre alt geworden wäre, blickt Porsche auf den Mann zurück, der der Marke ihr unverwechselbares Gesicht gab. Als ältester Sohn von Ferry Porsche und Enkel des Firmengründers Ferdinand Porsche prägte er nicht nur die Silhouette des 911, sondern auch eine Formensprache, die bis heute die Sportwagen aus Zuffenhausen ebenso wie die Produkte von Porsche Design trägt. Kaum ein Entwurf hat das Erscheinungsbild der Marke nachhaltiger geschärft.

Geboren 1935 in Stuttgart und in der Familie „Butzi“ genannt, verbrachte Ferdinand Alexander Porsche einen Teil seiner Kindheit in Zell am See, nachdem das Unternehmen im Krieg dorthin verlegt worden war. Nach der Rückkehr nach Stuttgart besuchte er eine Waldorfschule und studierte später an der Hochschule für Gestaltung Ulm, einem zentralen Ort des funktionalistischen Designs der Nachkriegszeit. Zwar verließ er die Hochschule nach nur zwei Semestern, doch die Ulmer Prinzipien von Reduktion, Klarheit und Funktion begleiteten ihn fortan.

1957 stieß er zur Designabteilung von Porsche und arbeitete unter Karosseriegestalter Erwin Komenda. 1962 führte er bereits das hauseigene Designstudio. In dieser Rolle entstand der Prototyp Typ 754 T7 – ein wichtiger Schritt hin zum Serien-911: Die Front antizipierte das neue Modell, während das Heck noch verfeinert wurde. Diese frühen Skizzen bildeten die Grundlage für den späteren Nachfolger des 356. Schon hier zeigt sich, wie sorgfältig Evolution über reine Effekthascherei gestellt wurde.

Porsche Typ 754 T7
Porsche Type 754 T7 / Thesupermat, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Das neue Modell wurde 1963 zunächst als der Porsche 901 der Öffentlichkeit gezeigt. Nach einem Streit um Modellbezeichnungen ging es als 911 in Produktion – die Form blieb jedoch unverkennbar. Mit fließender Dachlinie, Heckmotor und klaren, gespannten Flächen wurde der von Ferdinand Alexander Porsche gezeichnete 2+2-Sitzer zum Maßstab aller folgenden Generationen. Porsche bezeichnet dieses Werk bis heute als prägend für die Design‑DNA der Marke.

Auch auf der Rennstrecke hinterließ Ferdinand Alexander Porsche Spuren. 1963 und 1964 zeichnete er den Porsche 904 Carrera GTS, einen Mittelmotor-Sportwagen für die FIA‑GT‑Klasse mit glasfaserverstärkter Kunststoffkarosserie auf einem Stahlrahmen. Rund 100 Exemplare entstanden zur Homologation, und der 904 holte Klassensiege sowie starke Ergebnisse bei Veranstaltungen wie Targa Florio, Le Mans, Sebring, Spa und Watkins Glen. Technisch avanciert und zugleich elegant, wurde er neben 911 und 914 zu einem seiner zentralen Meilensteine. Seine Klarheit wirkt bis heute frisch.

Anfang der 1970er Jahre, als Mitglieder der Familie Porsche ihre Führungsfunktionen im Unternehmen abgaben, zog sich auch Ferdinand Alexander Porsche aus dem operativen Geschäft zurück. 1972 gründete er das Porsche Design Studio in Stuttgart und übertrug seinen Ansatz von Sportwagen auf Alltagsgegenstände. Zwei Jahre später zog das Studio nach Zell am See – in jene alpine Umgebung, die seine Kindheit geprägt hatte.

Erstes Produkt des neuen Studios war 1972 der Chronograph I, der als weltweit erste komplett schwarze Armbanduhr gilt. Inspiriert vom Instrumententräger des 911 kombinierte sie ein matt schwarzes Zifferblatt mit weißen Indizes und einem roten Sekundenzeiger für optimale Ablesbarkeit. In den 1980er Jahren brachte Porsche Design in Zusammenarbeit mit IWC einen der ersten Titan-Chronographen der Uhrenbranche, was den Fokus auf innovative Werkstoffe erneut unterstrich. Ähnlich konsequent ging die Brillenlinie vor: Die P’8478 von 1978 bot ein Wechselsystem für Gläser und wurde in deutlich größeren Stückzahlen produziert als zunächst geplant, während die visierartige P’8479 Kultstatus erreichte – nicht zuletzt, weil Yoko Ono das Modell öffentlich trug. Die Schreibgeräte der Reihe TecFlex mit geflochtenen Edelstahlmänteln übersetzten von Motorsport inspirierte Materialien in die Welt der Alltagsobjekte.

Im Laufe der Jahrzehnte weitete Porsche Design und Studio F. A. Porsche das Spektrum weit über Uhren und Brillen hinaus aus – bis hin zu Möbeln, Unterhaltungselektronik, Haushaltsgeräten und sogar Yachten. Seit 2003 sind das Accessoires- und Lizenzgeschäft von Porsche und Porsche Design gebündelt; heute ist die Porsche Lifestyle GmbH & Co. KG eine hundertprozentige Tochter der Porsche AG. Ihr erklärtes Ziel: das Potenzial des Namens Porsche jenseits des Automobils zu nutzen und das Lebenswerk von Professor Ferdinand Alexander Porsche fortzuführen.

Im Zentrum dieses Werks steht eine klare Haltung. Er betonte, gutes Design müsse ehrlich sein. Für ihn hieß das, überflüssige Dekoration zu vermeiden und jede Entscheidung von der Funktion leiten zu lassen. Geprägt von der funktionalistischen Tradition und der Ulmer Schule war er überzeugt, dass sich die Form oft beinahe von selbst ergibt, wenn die Funktion eines Objekts neu gedacht wird. Diese Haltung findet sich in den zeitlosen Linien des 911 ebenso wie in der puristischen Ästhetik der Produkte von Porsche Design, die intelligente Funktionalität mit zurückhaltender Eleganz verbinden.

Ferdinand Alexander Porsche starb am 5. April 2012 in Salzburg im Alter von 76 Jahren; seine Urne ist in Zell am See beigesetzt. Sein Vermächtnis ist dennoch höchst lebendig: 2022 würdigte das Porsche Museum „50 Years of Porsche Design“ mit einer Sonderausstellung, Porsche legte den auf 750 Exemplare limitierten 911 Edition 50 Years Porsche Design auf und restaurierte einen 1972er 911 S 2.4 Targa mit Bezug zu seiner Arbeit. Studio F. A. Porsche wurde als Red Dot: Design Team of the Year ausgezeichnet, und aktuelle Projekte knüpfen an die von ihm formulierten Prinzipien an. Viele seiner Entwürfe werden noch produziert oder Jahrzehnte nach ihrem Debüt neu aufgelegt – ein weiterer Hinweis auf jene Zeitlosigkeit, die Porsche seinem Werk zuschreibt.

Mark Havelin

2025, Dez 12 09:36