Scania "Sleipner": erster elektrischer 8x4-Schwerlastkipper im LKAB-Bergwerk Malmberget
Weltpremiere im Bergbau: Scania und LKAB setzen erstmals einen elektrischen 8x4-Schwerlastkipper ein. 416 kWh, 400 kW, bis 60 t – bereit für harten Einsatz.
Scania und der schwedische Bergbaukonzern LKAB gehen einen weiteren Schritt in Richtung elektrischer Schwerlasttransporte. In der Erzgrube Malmberget in Nordschweden hat ein vollelektrischer 8x4-Schwerlastkipper den Betrieb aufgenommen – eine Weltpremiere in dieser Konfiguration für Scania.
Das Fahrzeug trägt den Namen Sleipner, inspiriert vom legendären achtbeinigen Pferd Odins. Der Verweis ist nicht zufällig: Es handelt sich um den ersten elektrischen Scania mit zwei lenkbaren Vorderachsen. Aufgebaut auf Scanias modularer Elektroplattform ist der Kipper für extreme Lasten und das anspruchsvolle Gelände im Bergbau ausgelegt.
Der Einsatz führt über eine rund fünf Kilometer lange Strecke zwischen einer Rutschen-Beladestation und der Verfüllfläche Tingvallskulle, gespickt mit etwa 250 Höhenmetern. Voll beladen bringt das Fahrzeug rund 60 Tonnen auf die Waage und transportiert dabei 38 Tonnen Nutzlast. Das wirkt eher nach Alltag als nach Schaulauf.
Für den Vortrieb sorgen zwei MP20-Batteriepacks mit insgesamt 416 kWh installierter Kapazität in Kombination mit einem 400-kW-Elektromotor Scania EM C 1-4. Der E-Kipper ersetzt das Verbrenner-Pendant vollständig und ist auf dauerhaften Betrieb unter harten industriellen Bedingungen ausgelegt – ein klares Signal, dass es hier um Praxisreife geht.
Das Projekt baut auf der Zusammenarbeit von Scania und LKAB auf, die 2022 begann: Damals wurde am selben Standort ein vollelektrischer 6x4-Schwerlastkipper eingeführt. In der Erprobung legte dieses Fahrzeug rund 50.000 Kilometer zurück und bewegte mehr als 300.000 Tonnen Material, womit LKAB wertvolle Erkenntnisse zur Einsatzperformance elektrischer Lkw im Bergbau gewann. Zahlen, die im Betrieb Gewicht haben.
Nach Angaben von LKAB senkte der frühere E-Kipper bereits in der Testphase die CO₂-Emissionen um etwa 30 Tonnen. Da das Unternehmen jährlich mehr als fünf Millionen Tonnen taubes Gestein transportiert, gilt der mögliche Effekt einer breiteren Elektrifizierung als entsprechend groß.
Scania unterstreicht, dass Partnerschaften wie diese entscheidend sind, um elektrische Technologien unter Realbedingungen zu verfeinern. LKAB wiederum sieht im neuen Lkw einen wichtigen Schritt hin zu fossilenfreien internen Logistikprozessen in anspruchsvollen Bergbauumgebungen. Beides greift ineinander: Nur im harten Einsatz reifen Technik und Abläufe.
Mark Havelin
2025, Dez 16 01:55