Rivians Autonomy & AI Day: RAP1, ACM3, LiDAR und die neue KI- und Autonomie-Plattform
Rivian enthüllt beim Autonomy & AI Day den RAP1-Chip, ACM3 und LiDAR für R2. Neue KI- und Autonomie-Plattform, Universal Hands-Free und Abo Autonomy+ ab 2026.
Rivian hat eine seiner ambitioniertesten Technologie-Roadmaps vorgestellt und eine eng verzahnte Plattform aus maßgeschneidertem Silizium, der nächsten Autonomie-Generation und tief integrierter KI präsentiert. Die Ankündigungen kamen beim ersten Autonomy & AI Day in Palo Alto – ein sichtbarer Schritt hin zu vollständiger vertikaler Kontrolle über die Fahrzeugtechnik. Damit rückt die Steuerung über die zentralen Bausteine konsequent ins eigene Haus.
Im Mittelpunkt stand der Rivian Autonomy Processor (RAP1), ein eigens entwickelter 5-nm-Chip für visionszentrierte Physical AI. Er liefert bis zu 1600 sparse INT8 TOPS und verarbeitet fünf Milliarden Pixel pro Sekunde – ein deutliches Bekenntnis zu skalierbarer, kamerabasierter Wahrnehmung. RAP1 treibt den dritten Autonomie-Rechner der Marke an, das Autonomy Compute Module 3 (ACM3).
Die RAP1-Architektur führt RivLink ein, eine latenzarme Verbindung, über die sich mehrere Chips koppeln lassen – die Plattform ist damit von Haus aus erweiterbar. Außerdem betonte Rivian den eigenen KI-Compiler und die Plattformsoftware, die auf die firmeneigene Hardware abgestimmt sind. Das Unternehmen bestätigte die Einhaltung automobiltypischer Functional-Safety-Vorgaben, nannte jedoch keinen konkreten ASIL-Level.
Auch das Sensorset wird wachsen: Künftige R2-Modelle erhalten LiDAR. Die Technik soll den bisherigen Multimodal-Ansatz um hochauflösende 3D-Raumdaten und zusätzliche Redundanz ergänzen, insbesondere für komplexe Randfälle. Die Gen-3-Hardwareplattform für Autonomie, die ACM3 und LiDAR kombiniert, befindet sich in der Validierung; der Produktionsstart in R2-Fahrzeugen ist bis Ende 2026 vorgesehen.
Auf der Softwareseite erläuterte Rivian die Rivian Autonomy Platform, die auf einem End-to-End-Datenkreislauf fürs Training basiert. Herzstück ist das Large Driving Model (LDM), ein grundlegendes Fahrmodell, das ähnlich wie große Sprachmodelle trainiert wird. Mit Group-Relative Policy Optimization (GRPO) werden aus großskaligen Datensätzen wirkungsvolle Fahrstrategien direkt in Fahrzeugverhalten überführt.
Ein Teil dieser Fähigkeiten erreicht Kunden schon eher. Für R1-Fahrzeuge der zweiten Generation kündigte Rivian Universal Hands-Free an – assistiertes Fahren mit erweitertem freihändigem Betrieb auf mehr als 3,5 Millionen Meilen Straßen in den USA und Kanada, darunter ausgewählte Nicht-Autobahnstrecken mit klar markierten Fahrspuren.
Die neuen Autonomie-Funktionen kommen über Autonomy+, ein Abonnement, das Anfang 2026 startet. Der Preis liegt bei 2.500 US-Dollar als Einmalzahlung oder 49,99 US-Dollar pro Monat. Rivian versteht Autonomie als evolvierendes Software-Produkt – mit einem klaren Pfad von Punkt-zu-Punkt-Fahren über den Blick-weg-Betrieb bis hin zu persönlicher Level-4-Autonomie innerhalb definierter Bedingungen. Der Preis klingt selbstbewusst, entspricht aber dem Anspruch, Funktionen sichtbar über Software nachzureichen.
Über das Fahren hinaus stellte Rivian Rivian Unified Intelligence (RUI) vor, eine gemeinsame KI-Basis, die Fahrzeugdaten, Serviceprozesse und nutzerseitige Erlebnisse verknüpft. Ein zentrales Ergebnis daraus ist der Rivian Assistant, eine Next-Gen-Sprachschnittstelle, die Anfang 2026 auf R1-Fahrzeugen der ersten und zweiten Generation starten soll.
Der Assistent läuft auf Rivians eigenen Edge-Modellen, wird von führenden großen Sprachmodellen ergänzt und nutzt ein internes agentisches Framework, das Fahrzeugsysteme mit Anwendungen von Drittanbietern verbindet. Google Calendar ist als erste Integration bestätigt. Die gleiche Intelligenzschicht unterstützt auch den Service: Sie analysiert Telemetrie und Fahrzeughistorie, um Techniker zu unterstützen und Wartungsabläufe zu verbessern. Gerade hier zeigt sich, wie KI abseits der Show-Features ganz praktisch wirken kann.
Unterm Strich markieren die Ankündigungen den Wechsel von isolierten Features hin zu einer einheitlichen, skalierbaren Plattform. Indem Rivian eigenes Hardware-Silizium, Autonomie-Software und KI-gestützte Dienste unter einer Architektur bündelt, wird dieser Moment als Wendepunkt inszeniert – mit dem Ziel, fortgeschrittene Autonomie zum festen Bestandteil des Rivian-Erlebnisses zu machen.
Mark Havelin
2025, Dez 16 03:33