Modulare Werkzeugkette und KI SALLY: datengetriebene Fahrzeugentwicklung bei Porsche Engineering

Datengetriebene Fahrzeugentwicklung – Porsche Engineering
porsche.com

Wie Porsche Engineering mit modularer Werkzeugkette und KI (SALLY) die datengetriebene Fahrzeugentwicklung beschleunigt – von AMDA V2 und PEDG bis PEvIoT.

Porsche Engineering setzt zunehmend auf datengetriebte Entwicklung als zentrales Element moderner Fahrzeugtechnik. In einem aktuellen Beitrag im Porsche Engineering Magazine beschreibt das Unternehmen, wie eine modulare Werkzeugkette die Entwicklungsprozesse über den gesamten Fahrzeuglebenszyklus hinweg beschleunigt.

Die Grundidee ist naheliegend: Daten, die direkt aus Fahrzeugen stammen, verschaffen Ingenieurteams schneller Klarheit darüber, wie neue Funktionen unter realen Bedingungen abschneiden. So lassen sich Schwachstellen früher erkennen und Lösungen gezielter verfeinern – besonders wichtig bei komplexen Systemen wie fortgeschrittenen Fahrerassistenzfunktionen. Ein pragmatischer Ansatz, der im Alltag den Unterschied macht.

Zur Unterstützung dieses Vorgehens hat Porsche Engineering ein Portfolio aus sechs hauseigenen Werkzeugen entwickelt, die einzeln oder als vollständig integriertes System eingesetzt werden können. AMDA V2 wertet Messdaten direkt im fahrenden Erprobungsfahrzeug aus und beurteilt das Funktionsverhalten anhand definierter Kennzahlen (KPIs). Der Porsche Engineering Data Gatherer (PEDG) ist für den Einsatz in Serienfahrzeugen vorgesehen und ermöglicht das Sammeln von Daten aus der Ferne, ohne physischen Zugriff auf das Auto. Ergänzend verwandelt die ComBox-App ein handelsübliches Smartphone in einen digitalen Assistenten für Testfahrer und vereinfacht die Datenerfassung sowie den Transfer während der Testfahrten.

Ein prägendes Element der Werkzeugkette ist SALLY, eine cloudbasierte Plattform für große Sprachmodelle, die speziell auf die Fahrzeugentwicklung zugeschnitten ist. Anders als allgemeine KI-Dienste ist SALLY mit Domänenwissen aus Projekten von Porsche Engineering verbunden und unterstützt Entwickler bei Aufgaben vom Verstehen von Anforderungen bis hin zur Erstellung und Dokumentation von Software. Sämtliche erfassten Daten werden im Porsche Engineering Data Hub, einem cloudbasierten Data Lake, gespeichert und strukturiert, während die PEvIoT-Plattform Fahrzeuge und Prüfsysteme mit der Cloud verknüpft und die automatisierte Bereitstellung sowie Updates der Entwicklungstools ermöglicht.

Die modulare Struktur der Werkzeugkette erlaubt Anpassungen an unterschiedliche Kundenbedürfnisse – sei es für bestimmte Entwicklungsphasen oder über den gesamten Fahrzeuglebenszyklus. Nach Angaben von Porsche Engineering spiegelt diese Flexibilität einen breiteren Branchentrend hin zu softwaregetriebenen Fahrzeugen wider, in denen Daten und Cloud-Infrastruktur zunehmend den Ausschlag geben. Mit der Entwicklung und Verfeinerung der Tools im eigenen Haus will das Unternehmen schneller auf technologische Veränderungen reagieren und seine Expertise nicht nur innerhalb des Porsche-Konzerns, sondern auch externen Industriepartnern zugänglich machen. Ein konsequenter Weg, um die eigene Entwicklungskompetenz gezielt nutzbar zu halten.

Mark Havelin

2025, Dez 18 06:55