Wie Hersteller den Auspuffklang mit Serienanlagen inszenieren

Werksauspuff als Markenzeichen: Klang-Engineering im Auto
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Von Corvette Z06 bis Lexus LFA: Analyse, wie aktive Auspuffanlagen, Titan und smartes Layout den markanten Auspuffklang prägen – mit Beispielen und Technik

In den vergangenen fünfzehn Jahren sind Abgasanlagen immer seltener als reine Funktionsteile behandelt worden. Bei manchen Serienautos gehört der Klang inzwischen zum Gesamtkonzept – ein bewusst am Band geformtes Statement statt einer späteren Nachbesserung aus dem Zubehör.

Autos nach bloßer Lautstärke zu ordnen, stößt jedoch schnell an Grenzen. Hersteller veröffentlichen keine direkt vergleichbaren Dezibelangaben, Medien messen unter verschiedenen Bedingungen. Sinnvoller ist daher der Blick auf die Absicht: Fälle, in denen der Klang klar als prägendes Merkmal konstruiert und mit konkreten technischen Lösungen untermauert wurde.

Ein klares Beispiel ist die Chevrolet Corvette Z06 (C8). Ihre zentral angeordnete Vierrohr-Anlage ist mehr als ein optisches Erkennungszeichen. Englischsprachige Analysen halten fest, dass dieses Layout Teil einer gezielten Klangabstimmung war. Unabhängige Veröffentlichungen aus dem Automobilbereich zeigen extrem hohe Dezibelwerte, weisen aber ausdrücklich darauf hin, dass diese aus informellen Tests stammen und nicht aus offiziellen Werksangaben. Das verdeutlicht, wie konsequent hier am akustischen Auftritt gearbeitet wurde.

Ford Mustang Shelby GT350
Ford Mustang Shelby GT350 / Tokumeigakarinoaoshima, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Beim Ford Mustang Shelby GT350 zeigt sich eine andere Philosophie. Die ab Werk verbaute Klappenauspuffanlage mit zwei Betriebsmodi, kombiniert mit der Funktion Quiet Start, spiegelt den Alltagseinsatz wider. Englischsprachige Berichte nennen für Quiet Start gegenüber dem Normalbetrieb einen Rückgang um rund zehn Dezibel. Im Ergebnis baute Ford ein sehr lautes Auto – und konstruierte zugleich einen werkseitig abgesegneten Weg, es bei Bedarf zu zügeln. Das ist praxisnah gedacht.

Jaguar F-TYPE SVR
Jaguar F-TYPE SVR / Calreyn88, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Beim Jaguar F-TYPE SVR rückt das Augenmerk stärker auf Materialien und Charakter. Offizielle Unterlagen von Jaguar heben eine leichte Abgasanlage aus Titan und Inconel sowie eine reduzierte Masse hervor. Der Klang wird wiederholt als unverwechselbar beschrieben, zudem ist eine aktive Auspuffanlage serienmäßig. Hier zählt weniger der blanke Pegel als die Konsistenz und die Wiedererkennbarkeit der Stimme des Autos.

Lexus LFA
Lexus LFA / MrWalkr, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der Lexus LFA nimmt eine Sonderstellung ein. Archivierte Unterlagen von Yamaha betonen, dass sein Klang ausschließlich mit physikalischen Akustikmethoden erzeugt wurde – ohne elektronische Unterstützung oder künstliche Verstärkung. Das Ziel war Ausgewogenheit: zurückhaltende Geräusche im Normalbetrieb, gefolgt von einer unmittelbaren, dramatischen Reaktion bei starker Beschleunigung. Spätere Veröffentlichungen stellen klar, dass Yamaha das akustische Konzept prägte, während ein spezialisierter Zulieferer die Abgaskomponenten selbst verantwortete. Das Ergebnis gilt häufig als Maßstab für unverfälschten, rein mechanischen Sound.

Lamborghini Huracán Performante
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Beim Lamborghini Huracán Performante fällt die Lage nuancierter aus. Offizielle Quellen von Lamborghini beschreiben eine zusammen mit Akrapovič entwickelte Titan-Abgasanlage als Bestandteil des werksseitigen Zubehörprogramms und betonen Gewichtseinsparungen sowie einen charakteristischen Klang über das gesamte Drehzahlband. Allerdings bestätigen diese Unterlagen nicht ausdrücklich, dass dieses System bei jedem Performante zur Serienausstattung gehörte. Entscheidend ist, dass es sich um eine werksseitig entwickelte Lösung handelt – und nicht um eine externe Drittanbieter-Modifikation.

Allen genannten Fahrzeugen gemeinsam ist: Lautstärke steht nie für sich allein. Sie hängt an Klappen, Werkstoffen, Layout und gesetzlichen Vorgaben, durch die sich die Entwickler arbeiten müssen. Diese Komplexität erklärt, warum es keine eindeutige, vom Werk gestützte Dezibel-Rangliste gibt.

Die Indizien zeigen vielmehr eine klare Richtung. Statt nur der maximalen Lautstärke hinterherzulaufen, verfeinern die Hersteller aktive Auspuffsysteme und die akustische Auslegung. Diese Autos belegen, dass eine werksseitige Abgasanlage zum Kern der Identität eines Modells gehören kann – ein Erkennungszeichen, das man hört, lange bevor das Auto ins Blickfeld fährt.

Allen Garwin

2025, Dez 19 11:32