220-Millionen-Urteil gegen Michelin: tödlicher Reifendefekt beim LTX M/S2 im Ford Excursion

Rekordurteil: 220 Mio. $ gegen Michelin wegen Reifendefekt
Kevauto, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Jury in New Mexico verurteilt Michelin zu 220 Mio. US-Dollar: Reifendefekt am LTX M/S2 im Ford Excursion führte zu tödlichem Crash. Signal für Produkthaftung.

Eine Jury in New Mexico hat eines der bedeutendsten Produkthaftungsurteile der jüngeren Automobilgeschichte gesprochen und Michelin North America in einer Klage wegen widerrechtlicher Tötung zur Zahlung von 220 Millionen Dollar verurteilt. Anlass war ein tödlicher Unfall mit einem Ford Excursion.

Der Unfall ereignete sich 2021 auf einer Landstraße im Gaines County, Texas. Nach den Feststellungen des Gerichts führte ein katastrophaler Defekt am vorderen, fahrerseitigen Reifen dazu, dass der Fullsize-SUV auf die Gegenfahrbahn geriet und mit einem schweren Fahrzeug samt Anhänger zusammenstieß. Dabei kamen drei Angehörige derselben Familie ums Leben: die Ehefrau des Fahrers, seine Tochter und die jugendliche Enkelin.

Die Geschworenen sprachen Michelin die volle Verantwortung zu und wiesen das Argument des Unternehmens zurück, der Reifen sei erst im Betrieb beschädigt worden. Im Mittelpunkt stand ein Reifen des Typs Michelin LTX M/S2; die Kläger machten geltend, Konstruktions- und Fertigungsfehler hätten zu einer massiven Laufflächenablösung geführt. Das Urteil sendet ein deutliches Signal: Bei Komponenten, die über Sicherheit entscheiden, zählen Fertigungsqualität und Robustheit über die gesamte Lebensdauer.

Zwar war der Reifen zum Unfallzeitpunkt rund sieben Jahre alt und hatte etwa 70.000 Meilen hinter sich—Werte, die in allgemeinen Austauschrichtlinien häufig genannt werden. Die Jury sah darin jedoch keinen ausreichenden Gegenbeweis zu den Darstellungen über den Zustand des Reifens bei Verlassen des Werks. Das Urteil legt nahe, dass Alter und Laufleistung für sich genommen nicht als Erklärung für den Ausfall galten.

In Hintergrundmaterialien zur Reifensicherheit wird darauf hingewiesen, dass Gummimischungen unabhängig von sichtbarem Verschleiß im Lauf der Zeit altern. Branchenempfehlungen aus den USA und Europa raten üblicherweise nach fünf Jahren zu intensiveren Kontrollen und nach zehn Jahren zum Austausch. In diesem Verfahren stand jedoch der Vorwurf von Mängeln im Vordergrund, nicht die gewöhnliche Alterung. Für Hersteller ist das eine Erinnerung, dass selbst bei älteren Produkten die Erwartungen an Konsistenz und Sorgfalt hoch bleiben.

Michelin hat angedeutet, das Urteil in der Berufung kippen lassen zu wollen. Die Baureihe LTX M/S2 bleibt derweil im Handel. Beobachter aus dem Rechtsbereich verweisen darauf, dass die Höhe des zugesprochenen Betrags künftige Verfahren zu Automobilkomponenten prägen könnte—und die Aufmerksamkeit für Langzeitperformance sowie die Verantwortung der Hersteller schärft, wenn Ausfälle tödlich enden.

Mark Havelin

2025, Dez 25 06:48