Steigende Destination Charges: Warum Neuwagen teurer werden

US-Autobauer erhöhen Überführungskosten – UVP stabil
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US-Autobauer erhöhen die Destination Charges und treiben Neuwagenpreise, obwohl der UVP gleich bleibt. Beispiele von Ford und Chevrolet, Gründe im Überblick.

US-Autobauer treiben den tatsächlichen Preis neuer Fahrzeuge zunehmend in die Höhe, ohne den offiziellen Listenpreis anzutasten. Statt Basispreise anzupassen, setzen Hersteller stärker auf gestiegene Destination- und Liefergebühren – verpflichtende Posten, die automatisch auf die Endsumme aufgeschlagen werden.

Besonders deutlich wird das in den jüngsten Modelljahren. Chevrolet, Ford und Ram haben bei einem Großteil ihrer Jahrgänge 2025 und 2026 die Destination Charges von rund 1.995 auf 2.595 Dollar angehoben. Der UVP bleibt zwar stehen, doch die Summe auf dem Fensteraufkleber klettert weiter – und damit auch der tatsächliche Kaufpreis.

Marktbeobachter führen den Kurs auf den Druck durch Zölle, Inflation und allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit zurück. Destination Charges decken die Überführung von Werk oder Hafen zum Händler ab und gelten einheitlich für alle Käufer. Sie lassen sich nicht streichen – selbst wenn das Auto quasi vor der Haustür gebaut wird, was in der Praxis oft schwer zu vermitteln ist.

Auffällig sind die Unterschiede im Tempo der Erhöhungen. Hersteller aus Detroit haben die Gebühren aggressiver angehoben als viele ausländische Marken. BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen zählen weiterhin zu den Anbietern mit den niedrigsten Überführungskosten – die Schere in der Preisstruktur öffnet sich damit weiter.

Wie stark die Entwicklung ausfällt, zeigen einzelne Modelle. Beim Ford F-150 stieg die Destination Charge vom Modelljahr 2023 mit 1.795 Dollar bis 2025 auf 2.595 Dollar. Ein ähnliches Bild liefert der Chevrolet Silverado 1500: Die Liefergebühren legen von Jahr zu Jahr spürbar zu. Genau hier zeigt sich, wie wirkungsvoll stille Posten im Volumensegment Hebel sein können.

Rechtlich ist die Praxis gedeckt: In den USA müssen Destination Charges zwar separat ausgewiesen werden, ihre Höhe ist jedoch nicht begrenzt. Für Käufer bedeutet das, dass der UVP immer weniger verlässlich abbildet, was ein Neuwagen am Ende tatsächlich kostet. Der Listenpreis wird damit zum groben Richtwert – nicht zur Zahlungsrealität.

In Zeiten hoher Lebenshaltungskosten und anhaltender wirtschaftlicher Sorgen verstärken verpflichtende Gebührenerhöhungen den Druck auf die Erschwinglichkeit. Setzt sich der Trend fort, werden Destination Charges nicht länger als technisches Detail wahrgenommen, sondern als zentraler Stellhebel in der Preispolitik der Hersteller.

Allen Garwin

2025, Dez 25 16:16