Wie Bord-Touchscreens die Fahrleistung unter geteilter Aufmerksamkeit beeinflussen

UIST-Studie: Wie Bord-Touchscreens Fahrer wirklich ablenken
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Kontrollierte UIST-2025-Studie zeigt: Bord-Touchscreens erhöhen Spurabweichung um 42%, senken Bedienleistung um 58%. Ansätze für adaptive, sicherere Interfaces.

Eine neue Studie, vorgestellt auf ACM UIST 2025, liefert einen detaillierten, quantitativen Blick darauf, wie Bord-Touchscreens Fahrer beeinflussen, wenn die Aufmerksamkeit geteilt ist. Die Forschenden untersuchten, was passiert, wenn Fahren, Interaktion mit dem Bildschirm und kognitive Belastung zusammenfallen – auf Basis kontrollierter Experimente statt vager Annahmen. Das verleiht der Debatte eine messbare Grundlage.

Das Experiment fand in einem realitätsnahen städtischen Fahrsimulator statt. Die Teilnehmenden sollten fahren und gleichzeitig eine standardisierte Zeigeaufgabe auf dem Touchscreen nach dem Fitts’schen Gesetz absolvieren sowie auditive N-Back-Gedächtnisaufgaben mit variierenden Schwierigkeitsgraden lösen. Währenddessen erfassten die Forschenden Augenbewegungen, Handbewegungen, Pupillenerweiterung, elektrodermale Aktivität und mehrere Kennzahlen zur Fahrleistung.

Die Ergebnisse zeigen ein klares Muster gegenseitiger Störung. Sobald die Touchscreen-Interaktion ins Spiel kam, verschlechterte sich das Spurhalten; die laterale Abweichung stieg um etwa 42 Prozent. Die Touchscreen-Leistung litt noch stärker: Zeigegeschwindigkeit und Genauigkeit sanken im Vergleich zu Bedingungen ohne Fahranforderung um mehr als 58 Prozent.

Eine höhere kognitive Belastung verstärkte diese Effekte zusätzlich. Unter anspruchsvolleren Gedächtnisaufgaben erhöhte sich die Bewegungszeit beim Zeigen um rund 20 Prozent, während der Interaktionsdurchsatz um etwa 17 Prozent zurückging. Zugleich verkürzten die Fahrer ihre Blickabwendungen von der Straße; die Dauer jedes Blicks auf den Bildschirm sank um ungefähr 26 Prozent. Kürzere Blicke mögen zwar sicherer wirken, fielen hier aber mit einer langsameren, weniger effizienten Bedienung zusammen.

Besonders bemerkenswert war ein wiederkehrendes Verhaltensmuster, das die Autorinnen und Autoren als Hand-vor-Auge beschreiben. In vielen Fällen setzten Fahrer die Handbewegung zum Touchscreen an, noch bevor sie den Blick von der Fahrbahn abwandten. Unter höherer kognitiver Last trat dieses Muster häufiger auf, was darauf hindeutet, dass bei begrenzten visuellen Ressourcen stärker auf Antizipation und motorisches Gedächtnis zurückgegriffen wird.

Die Studie zeigte zudem, dass ein bloßes Vergrößern der Ziele auf dem Bildschirm die Leistung nicht wesentlich verbessert. Der Engpass liegt weniger in der Treffgenauigkeit der Hand, sondern in der visuellen Suche nach Interface-Elementen, wenn die Aufmerksamkeit geteilt ist.

Auf Basis dieser Beobachtungen plädieren die Autorinnen und Autoren dafür, aktuelle Bedienkonzepte im Fahrzeug zu überdenken. Touchscreens werden kaum verschwinden, doch die Daten sprechen für einfachere Abläufe und Bedienelemente, die für häufig genutzte Funktionen weniger visuelle Aufmerksamkeit verlangen. Unterm Strich klingt das nach einer pragmatischen Kurskorrektur: Mit der Zeit könnten solche Befunde Interfaces fördern, die sich an den kognitiven Zustand des Fahrers anpassen und Bedienbarkeit besser mit Sicherheit in Einklang bringen.

Allen Garwin

2025, Dez 26 09:02