Tesla-Türgriffe nach Unfällen: 15 Tote, Notentriegelung und NHTSA-Prüfung im Fokus
Bloomberg-Recherche: Bei Tesla-Crashs versagen elektronische Türgriffe, 15 Tote. NHTSA prüft Model Y und 3; Notentriegelung und Rettungszugang im Fokus
In den vergangenen zehn Jahren wurden mindestens 15 Todesfälle mit Unfällen von Tesla-Fahrzeugen in Verbindung gebracht, bei denen sich die Türen nach dem Aufprall nicht öffnen ließen. Nach Recherchen von Bloomberg zeigte sich dabei häufig ein ähnlicher Ablauf: Nach der Kollision – in einigen Fällen gefolgt von einem Brand – blieben Insassen im Wagen eingeschlossen, während Einsatzkräfte nur schwer Zugang fanden.
Die Recherche stützte sich auf eine breite Datenauswertung. Reporter sichteten die Bundesdaten zu allen tödlichen US-Unfällen mit Fahrzeugbrand von 2012 bis 2023 und identifizierten anschließend eigenständig vergleichbare Vorfälle aus den Jahren 2024 und 2025. Tausende Seiten an Polizei- und Feuerwehrprotokollen, Obduktionsunterlagen, Fotos vom Unfallort, Notrufmitschnitten und Bodycam-Videos dienten dazu, die Minuten nach jedem Crash nachzuzeichnen. So wurden rund ein Dutzend Fälle sichtbar, in denen nicht funktionierende Tesla-Türen als mitursächlich galten – mit mindestens 15 Toten.
Auffällig war vor allem der Zeitpunkt: Mehr als die Hälfte der gemeldeten Todesfälle ereignete sich nach November 2024 – ein Hinweis darauf, dass sich das Problem eher zuspitzt als abflacht.
Im Kern steht Teslas Konzept elektronisch betätigter Türgriffe, die von einer 12-Volt-Niedervolt-Batterie versorgt werden. Bei schweren Unfällen kann diese Batterie beschädigt werden oder komplett ausfallen. Dann versagen elektronische Türmechaniken mitunter selbst dann, wenn die Türen mechanisch nicht verklemmt sind.
Zwar verfügen Tesla-Modelle über mechanische Notentriegelungen, doch deren Praxistauglichkeit wird infrage gestellt. Bloomberg fand heraus, dass die manuellen Hebel an den vorderen Türen teils schlecht gekennzeichnet sind, während Lösungen an den Fondtüren je nach Modell und Bauzeit variieren: In manchen Fahrzeugen fehlen sie, in anderen sind sie unter Verkleidungen, Fußmatten oder Lautsprecherabdeckungen verborgen. In Rauch und Stress die richtige Stelle zu finden, ist entsprechend heikel – mehr als eine Frage der Ästhetik, denn in der Rettung zählt jede Sekunde.
Das Thema beschäftigt inzwischen auch die Aufsicht. Im September 2025 leitete die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA eine Untersuchung zum Model Y ein, nachdem Berichte über außen unbedienbare Türgriffe eingegangen waren. Im Dezember folgte eine separate Prüfung beim Model 3 – mit dem Fokus, ob die mechanischen Notentriegelungen im Crash ausreichend zugänglich und klar erkennbar sind.
Aus dem Unternehmen heißt es, die Fahrzeuge seien so ausgelegt, dass sich die Türen nach einem schweren Aufprall automatisch entriegeln, um den Zugang zu ermöglichen. Zugleich wird darauf verwiesen, dass diese Funktion nicht in allen Modellen verfügbar sei und vom Bauzeitpunkt sowie der Konfiguration abhängen könne. Aus der Designführung wird zudem berichtet, Tesla arbeite an einem neuen Türgriffsystem, das mechanische und elektronische Elemente in einem einzigen, intuitiveren Ansatz vereine.
Elektronische Türgriffe sind kein Tesla-Alleinstellungsmerkmal; heraus sticht der Hersteller jedoch durch die Vielzahl der Beschwerden über nach Unfällen nicht zu öffnende Türen. Die von Bloomberg identifizierten 15 Todesfälle machen nur einen kleinen Teil tödlicher Unfälle mit Elektroautos aus, doch weil es kein zentrales Register für Fälle von Einschluss gibt, lässt sich das tatsächliche Ausmaß schwer beziffern. Klar ist: Solange die Behörden nachfassen, bleibt der Zielkonflikt zwischen fortschrittlichem Design und elementarer Rettungszugänglichkeit im Fokus – und am Ende entscheidet sich daran, ob Form dem Zweck dient oder ihn behindert.
Allen Garwin
2025, Dez 27 07:13