Volkswagen ID. Buzz im Alltag: Stärken, Schwächen und Preis
Test des Volkswagen ID. Buzz: Retro-Design, reale Reichweite, Familienpraxis, Infotainment und Assistenz im Alltag – dazu eine faire Bewertung des Preises.
Manche Autos tragen ein Versprechen schon in ihrer Form. Der Volkswagen ID. Buzz gehört dazu: Er gewinnt Aufmerksamkeit zuerst über Emotionen – die Daten folgen erst danach.
Live wirkt das Design noch präsenter als auf Fotos. Die klassische Microbus-Silhouette wurde modernisiert, ohne ihr Gesicht zu verlieren – der ID. Buzz ist eine jener seltenen Erscheinungen, denen die Blicke von selbst folgen. Kräftige Zweifarblackierungen verstärken diesen Effekt und stechen in einem Markt hervor, der lange von gedeckten Tönen geprägt war; man ertappt sich dabei, ihm nachzuschauen.

Im Alltag zeigt sich ein differenzierteres Bild. Mit einer angegebenen Reichweite von rund 375 km und Schnellladen mit bis zu 200 kW gibt er sich abenteuerlustig. In der Praxis gilt er jedoch eher als Begleiter für kurze bis mittlere Strecken, besonders wenn zu Hause geladen werden kann. Wer lange Distanzen auf öffentliche Ladeinfrastruktur stützt, merkt die Grenzen deutlicher.
Seine Stärke liegt im Familienalltag. Ein- und Aussteigen gelingt mühelos, der Innenraum fühlt sich ehrlich geräumig an, und die Übersicht ist dank großer Fenster und des fehlenden mittleren Sitzes hinten ausgezeichnet. Ablagefächer und USB‑C‑Anschlüsse für die Mitfahrenden erhöhen den Nutzwert.

Die Sitzkonfigurationen sorgen jedoch für Frust. Eine Siebensitzer-Variante gibt es, aber nur mit Hinterradantrieb und eingeschränkter Farbauswahl. Der Kofferraum folgt demselben Muster: Mit umgeklappten Sitzen gut nutzbar, bei voller Bestuhlung jedoch spürbar eingeschränkt – Kompromisse, die nicht so recht zur Größe des Fahrzeugs passen.
Vorn mischen sich Glanzpunkte mit fragwürdigen Entscheidungen. Das elektrochrome Panoramadach sowie belüftete, massierende Sitze setzen Highlights. Gleichzeitig lenkt die ausgedehnte Nutzung kapazitiver Tasten – am Lenkrad und unter dem Bildschirm – beim Fahren eher ab.

Das Infotainment setzt angenehmere Akzente. Direkte Tastatureingabe fürs Navi gilt als schneller und weniger frustrierend als reine Sprachsysteme. Head-up-Display und dezente Lichtsignale für die Zielführung erhöhen die Bedienfreundlichkeit, ohne den Fahrer zu überfordern.
Auf der Straße liefert der ID. Buzz den für E-Autos typischen kräftigen Antritt, insgesamt ist er aber nicht übermäßig stark. Der Übergang zwischen Rekuperation und mechanischer Bremse kann abrupt wirken und verlangt etwas Eingewöhnung.
Bei den Assistenzsystemen ergibt sich ein gemischtes Bild. In einfachen Szenarien arbeiten sie zuverlässig, in komplexen Umgebungen wie Baustellen geraten sie an ihre Grenzen. Besonders die Einparkhilfe weckt wenig Vertrauen.

Positiv fällt der Klang auf. Das Harman-Kardon-System profitiert vom großen Innenraum, spannt eine breite, einnehmende Bühne auf und liegt damit für ein Familienauto über dem Durchschnitt.
Am schwierigsten bleibt der Preis. Der ID. Buzz kostet deutlich mehr als klassische Vans; zugleich heben ihn Verarbeitung, Atmosphäre und Raumgefühl in eine andere Kategorie. Ein Auto, das Herzen schnell gewinnt – doch die Entscheidung will gut abgewogen sein.
Allen Garwin
2025, Dez 31 23:58