Aktive Aerodynamik in Supersportwagen: Nutzen, Technik und aktuelle Studien

Aktive Aerodynamik in Supersportwagen: Technik mit Sinn?
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Aktive Aerodynamik in Supersportwagen erklärt: Funktionen, Studien 2024/25 und Beispiele von McLaren, Lamborghini, Porsche. Performance, Effizienz und Kühlung.

Aktive Aerodynamik hat sich längst von ihren Wurzeln in Rennprototypen gelöst und ist heute fester Bestandteil der Entwicklung moderner Supersportwagen. Hersteller setzen auf bewegliche Aero-Bauteile, damit ein einzelnes Auto sehr unterschiedliche Fahrsituationen abdecken kann – vom Topspeed auf der Geraden bis zu hartem Verzögern und Kurvenfahrten.

Der Kern ist simpel, die Umsetzung anspruchsvoll: Eine feste Karosserieform ist nie in allen Situationen gleich effizient. Deshalb kommen Komponenten zum Einsatz, die ihre Stellung in Echtzeit verändern: aktive Heckflügel und Spoiler, vordere Klappen, gesteuerte Luftkanäle sowie verstellbare Kühlluft-Jalousien.

Hersteller stellen die Funktion in den Vordergrund. McLaren betont, der aktive Heckflügel diene nicht nur dem aerodynamischen Gleichgewicht, sondern fungiere bei starker Verzögerung auch als Luftbremse und verändere dafür seine Stellung. Lamborghini richtet das System ALA 2.0 darauf aus, per elektronisch gesteuerter Klappen an Front und Heck zwischen High-Downforce und Low-Drag zu wechseln. Porsche versteht aktive Aerodynamik als abgestimmtes Gesamtpaket: Beim Macan arbeiten ausfahrbarer Heckspoiler, aktive Kühlklappen und Elemente eines weitgehend verkleideten Unterbodens je nach Tempo, Fahrmodus und sogar Ladevorgang zusammen. Das wirkt in sich plausibel, weil es die Komponenten nicht isoliert betrachtet.

Die Wirksamkeit stützen nicht nur Herstellerangaben, sondern auch aktuelle Ingenieursforschung. 2024 und 2025 veröffentlichte Studien deuten darauf hin, dass aktive und asymmetrische Aero-Setups die Fahrzeugdynamik im Vergleich zu statischen Konfigurationen verbessern können – etwa Kurvenstabilität und Bremsleistung. Teilweise wird aktive aerodynamische Lastverteilung gezielt als Mittel untersucht, um Querlastverschiebungen in der Kurve zu begegnen.

Gleichzeitig gibt es keine endgültige Antwort, ob aktive Aerodynamik in Supersportwagen vor allem Technik oder doch Marketing ist. Im vergangenen Jahr sind keine belastbaren Untersuchungen erschienen, die diese Systeme überwiegend als Dekoration einordnen. Die verfügbaren Hinweise sprechen eher für echte Funktion – wobei der Nutzen im Alltag je nach Modell spürbar schwanken kann.

Wer über die Zukunft aktiver Aerodynamik spricht, sollte daher vorsichtig bleiben. Hersteller investieren weiter in neue Ansätze, wie jüngste Patente und Konzepte zeigen, die leichtere und kompaktere Lösungen zur Regelung von Luftwiderstand und Abtrieb anvisieren. Zunehmend dient aktive Aerodynamik nicht nur der Performance, sondern auch der Effizienz insgesamt und dem Thermomanagement – besonders im Kontext der Elektrifizierung. Ein formaler Branchenkonsens, der aktive Aerodynamik als unumstößliche Zukunft der Supersportwagen festschreibt, existiert allerdings noch nicht.

Allen Garwin

2026, Jan 01 16:24