Wie Supercars und Hypercars Sicherheit nachweisen: Crashtests, Simulationen und NCAP

Crashtests bei Supercars/Hypercars: warum Sterne selten
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Warum fehlen vielen Supercars und Hypercars Euro-NCAP-Sterne? Der Artikel erklärt Crashtests, NHTSA-Selbstzertifizierung, IIHS und Simulationen in Kleinserien

Das Thema Crashtests im Supercar- und Hypercar-Segment wirft zwangsläufig Fragen auf. Werden Autos, die Millionen kosten, auf dieselbe Weise geprüft wie Großserienmodelle – und falls nicht, warum werden die Ergebnisse so selten öffentlich? Hinter der scheinbaren Intransparenz steckt keine Abkehr von Sicherheit, sondern eine andere Logik, sie zu belegen.

Zunächst gibt es im bekannten Sinne keinen einheitlichen, verbindlichen Crashtest. In den USA basiert das System auf Selbstzertifizierung: Hersteller erklären die Einhaltung der bundesweiten Sicherheitsstandards selbst, während die NHTSA Fahrzeuge vor dem Verkaufsstart nicht freigibt. Die Aufsicht greift erst nach dem Markteintritt durch Stichproben, Untersuchungen und Rückrufe. Parallel dazu veröffentlicht das staatliche NCAP-Programm Fünf-Sterne-Bewertungen, die Teilnahme ist jedoch freiwillig.

Eine unabhängige Sicht liefert das vom Versicherungssektor finanzierte IIHS. Seine Crashtests und Bewertungen sind in erster Linie darauf ausgelegt, Versicherungsrisiken zu reduzieren. Dennoch müssen Hersteller – insbesondere Anbieter von Nischen- oder Kleinserienfahrzeugen – nicht teilnehmen.

Europa formuliert es noch klarer: Euro NCAP stellt ausdrücklich heraus, dass das Programm freiwillig ist. Sämtliche Kosten für Tests, Bewertung und Veröffentlichung trägt die Partei, die ein Fahrzeug nominiert. Manchmal werden die Ausgaben geteilt, am Grundprinzip ändert das nichts: Fehlt ein Rating, bedeutet das Nichtteilnahme, nicht fehlende technische Absicherung.

Hier rückt die Realität von Supercars und Hypercars in den Fokus. Für Hersteller mit extrem geringen Stückzahlen ist die Zerstörung selbst eines einzelnen Fahrzeugs ein spürbarer wirtschaftlicher Verlust. Entsprechend setzen viele auf ein gestuftes Vorgehen: umfangreiche Computersimulationen, gefolgt von Material- und Komponententests und erst danach physische Prüfungen des kompletten Fahrzeugs. Rimac hat diesen Ablauf öffentlich beschrieben und betont, wie wichtig es ist, virtuelle Modelle mit realen Belastungen zu korrelieren. Das wirkt weniger publikumswirksam als eine große Show im Prüflabor, zielt aber direkt auf das, was zählt: belastbare Aussagen zum Crashverhalten.

Manche Marken gehen noch weiter. Koenigsegg hat offen erklärt, dass klassische Crashtestmodelle für ultrakleine Serien nicht immer passen. Das Unternehmen verweist auf Berechnungen und Testmethoden, mit denen ein einzelnes Fahrzeug wiederholt belastet werden kann – so sinkt die Notwendigkeit, mehrere Autos vollständig zu zerstören. Veröffentliche Euro-NCAP- oder NHTSA-NCAP-Bewertungen tragen die Modelle nicht; das ist eine direkte Folge des freiwilligen Charakters dieser Programme.

Ferrari, Lamborghini und McLaren operieren in einer anderen Größenordnung, folgen aber einer ähnlichen Logik. Ihre Fahrzeuge müssen in allen Absatzmärkten, inklusive des US-Systems der Selbstzertifizierung, die gesetzlichen Sicherheitsanforderungen erfüllen. Dennoch weisen die meisten Straßenmodelle dieser Marken keine veröffentlichten Euro-NCAP-Ratings auf. Für performanceorientierte, limitierte Fahrzeuge sind Sternesysteme schlicht kein zentraler Baustein der Markenkommunikation – konsequent in einem Umfeld, in dem Technikbelege wichtiger sind als Schaufensterwerte.

Eine verifizierte Liste von Herstellern, die überhaupt keine Crashtests durchführen, gibt es nicht. Sicher sagen lässt sich lediglich, dass einige Marken keine Ergebnisse innerhalb unabhängiger Bewertungssysteme publizieren. Diese Unterscheidung ist entscheidend: Das Fehlen öffentlicher Sterne belegt nicht das Fehlen von Tests.

Mit steigenden Erwartungen an Transparenz und wachsendem Einfluss von Versicherern und Behörden dürfte selbst das ultrateure Segment stärker unter Beobachtung geraten. Gleichwohl deutet die derzeitige Praxis darauf hin, dass der Sicherheitsnachweis hier grundsätzlich anders erbracht wird als im Massenmarkt.

Allen Garwin

2026, Jan 02 01:56