Ford Interceptor Concept (2007): Fords moderne Crown-Vic-Interpretation mit V8 und Heckantrieb
Wie das Ford Interceptor Concept 2007 die Crown Victoria neu dachte: Heckantrieb auf Mustang-Basis, 5,0-Liter-V8 und weshalb die Muscle-Limo nie in Serie ging.
2007 zeigte Ford eine Studie, die eine ganz andere Zukunft für die amerikanische Oberklasse-Limousine skizzierte. Das Ford Interceptor Concept war als moderne Neuinterpretation der Crown Victoria gedacht – eines Namens, der seit Langem mit US-Highways und Polizeiflotten verknüpft ist. Trotz aller Ambitionen blieb es bei der Studie.
Präsentiert auf der Detroit Auto Show, fiel der Interceptor dadurch auf, dass er klassische Proportionen einer großen Limousine mit Technik aus dem Mustang der fünften Generation kombinierte. Basis war eine gestreckte S197-Plattform, Hinterradantrieb und Starrachse hinten blieben erhalten – ein Ansatz, der dem damaligen Markttrend bereits widersprach und gerade deshalb bewusst wirkte.
Das Exterieur nahm Anleihen bei Fords großen Limousinen der 1960er-Jahre, darunter Galaxie und LTD. Weite Flächen und zurückhaltende Linien betonten Solidität und Präsenz statt Mode. Im Innenraum zog sich diese Haltung fort: analoge Instrumente, eine breite Armaturentafel und auffällig keine Touchscreens – obwohl digitale Bedienwelten andernorts längst zum Standard wurden.
Den Antrieb übernahm ein 5,0-Liter Ford Racing Cammer V8 mit 400 PS, gekoppelt an ein manuelles Sechsganggetriebe. Drehmomentangaben machte Ford nicht, doch die Wahl des Antriebs ließ keine Zweifel: Der Interceptor zielte eher auf die Rolle der Muscle-Limousine als auf die eines reinen Komfort-Flaggschiffs. Das wirkte wie eine klare Ansage.
Die Gestaltung verantwortete Peter Horbury, dessen frühere Arbeit bei Volvo das Erscheinungsbild der Marke in den späten 1990er-Jahren geprägt hatte. Wie Horbury erklärte, sei der Interceptor an der Oberfläche kultiviert, zugleich aber sichtbar in der Lage, rohe Kraft abzuliefern – eine Umschreibung, die die angestrebte Balance gut traf.
In Serie ging der Interceptor letztlich nie. Stattdessen wechselte Ford zum Taurus der sechsten Generation, aufgebaut auf der frontgetriebenen D3-Plattform, die von Volvos P2-Architektur abgeleitet war. Das passte zur größeren Strategie, sich schrittweise von klassischen Limousinen zu verabschieden. Die Produktion der Crown Victoria endete 2011, der Taurus folgte 2019 – damit schloss sich in den USA das Kapitel der großen Ford-Limousinen.
Heute erinnert der Interceptor an einen anderen möglichen Weg – geprägt von Hinterradantrieb, Tradition und Enthusiasten-Appeal. Der Markt bog anders ab, doch die Studie bleibt ein klares Zeitbild eines Moments, in dem die Zukunft der amerikanischen Limousine noch nicht festgeschrieben war. Vielleicht wirkt sie gerade deshalb bis heute so reizvoll.
Allen Garwin
2026, Jan 02 19:57