Tesla unter Druck: Klage wegen tödlichem Model‑X‑Unfall – Autopilot und Fahrerassistenz im Sicherheitsfokus

Tesla vor Gericht: Autopilot im Fokus nach tödlichem Crash
Alexander Migl, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Nach einem tödlichen Model‑X‑Unfall in Idaho steht Tesla wegen mutmaßlich fehlerhafter Fahrerassistenz vor Gericht. Autopilot und Warnsysteme im Faktencheck.

Tesla gerät erneut unter juristische Beobachtung wegen der Sicherheit seiner Fahrzeuge, diesmal aufgrund einer Klage wegen widerrechtlicher Tötung nach einem tödlichen Unfall mit einem Model X in Idaho. Der Zusammenstoß im September 2023 forderte vier Mitglieder einer Familie und ihren Hund.

Der Unfall ereignete sich am Abend des 1. September auf dem Idaho State Highway 33. Laut Polizeiberichten überquerte ein Tesla Model X des Baujahrs 2022 die Mittellinie und prallte frontal mit einem Kenworth-Sattelzug zusammen, der Getreide transportierte. Alle Insassen des Tesla trugen Sicherheitsgurte und wurden noch am Unfallort für tot erklärt. Der Lkw-Fahrer wurde körperlich nicht verletzt.

Die Klage wurde am 28. August 2025 eingereicht und wird derzeit vor dem Third Judicial District Court in Utah verhandelt. Die Kläger werfen dem Fahrzeug fehlerhafte Fahrerassistenzsysteme vor, die das Auto nicht zuverlässig in der Spur hielten oder rechtzeitig warnten. Genannt werden unter anderem Autosteer, Lane Departure Warning, Lane Keeping Assist, Lane Centering Assistance und Emergency Lane Departure Avoidance.

Im Zentrum steht zudem Teslas öffentliche Kommunikation zur eigenen Technik. Nach Ansicht der Kläger habe das Unternehmen Reifegrad und praktische Sicherheit seiner Assistenzsysteme überzeichnet und so ein trügerisches Vertrauen bei Fahrern begünstigt. Ob Autopilot zum Zeitpunkt des Unfalls aktiv war, ist umstritten; die Klage argumentiert jedoch, grundlegende Sicherheitsfunktionen müssten unabhängig vom Fahrmodus greifen.

Der Fall aus Idaho fügt sich in eine anhaltende Debatte über Teslas Fahrerassistenz ein. In den vergangenen Jahren untersuchten US-Regulierer Autopilot und forderten Software-Updates, nachdem sie zu dem Schluss gekommen waren, dass bestehende Schutzmechanismen und die Fahrerüberwachung in bestimmten Szenarien unzureichend sein könnten.

Tesla hat die Klage bislang nicht öffentlich kommentiert. Mit dem Fortgang des Verfahrens dürfte die Aufmerksamkeit darauf wachsen, wie Assistenzsysteme entwickelt, vermarktet und verstanden werden – und ob ihre Leistung auf der Straße den Erwartungen standhält. Der Fall macht einmal mehr die Lücke zwischen Versprechen und Praxis sichtbar und unterstreicht, wie stark klare Grenzen und verlässliche Rückmeldungen das Vertrauen am Steuer prägen.

Allen Garwin

2026, Jan 04 18:44