Lucid Air im Alltagstest: Fenskes Kritik und Lucids UX 3.0

Lucid Air in der Kritik: Fenskes Urteil und Lucids UX 3.0
lucidmotors.com

YouTube-Experte Jason Fenske kritisiert Lucid Air 2025: Software- und Hardwaremängel, Lucids Updates und UX 3.0 – was besser wird, was ungelöst bleibt.

Lucid Motors geriet unter unangenehmen Druck, nachdem scharfe Kritik von Jason Fenske, dem Macher des YouTube-Kanals Engineering Explained, viral ging. Sein Video über den Alltag mit einem geleasten Lucid Air Touring des Jahrgangs 2025 sammelte in kurzer Zeit mehr als eine Million Aufrufe und machte aus einer persönlichen Erfahrung einen Lackmustest für die Glaubwürdigkeit der Marke.

Fenske, der Lucids Ingenieursansatz lange schätzte, schlug diesmal deutlich andere Töne an. Er beschrieb eine Mischung aus Softwarepannen und Hardware-Schwächen, die den Air spürbar weniger ausgereift wirken ließen, als man es in diesem Segment erwartet. Einige Punkte waren gravierend, andere eher lästig – in Summe entstand jedoch der Eindruck eines Autos, das seinem eigenen Anspruch hinterherläuft. Gerade bei einem Premium-Anspruch wirken solche Unsauberkeiten größer, als sie auf dem Papier erscheinen.

Nach Fenskes Darstellung meldete sich Lucid kurz nach Veröffentlichung des Videos. Das Unternehmen räumte ein, mit dem aktuellen Status nicht zufrieden zu sein, und verwies auf bereits laufende interne Veränderungen. Mehrere Korrekturen seien erfolgt oder zugesagt, darunter die Behebung eines Fehlers bei Software-Updates, Verbesserungen der Plug-and-Charge-Zuverlässigkeit sowie eine Lösung für ein Problem, bei dem sich die hinteren Sitzheizungen ungewollt aktivierten. Das klingt nach ehrlicher Bestandsaufnahme, aber auch nach Aufholjagd.

Zusätzlich bestätigte Lucid eine umfassendere Überarbeitung der Bedienoberfläche unter dem Namen UX 3.0, die im Herbst erwartet wird. Auch Hardware-Themen blieben nicht liegen: Für den vorderen Kofferraum, der sich mitunter nicht korrekt öffnen lässt, werde eine Abhilfe entwickelt. Zudem bezeichnete der Hersteller den Becherhalter als missglückt und plant eine überarbeitete Version für die erste Jahreshälfte 2026. Der Drückmechanismus für die Türen wurde als Kompromiss beschrieben, nicht als ursprüngliche Designabsicht – ein Detail, das im Alltag stärker stört als es die Konstruktionszeichnung vermuten lässt.

Ein Punkt bleibt jedoch weitgehend ungelöst: das Fahrerprofil-System. Fenske kritisierte die unglückliche Position des biometrischen Scanners und das umständliche Wechseln der Profile. Lucid erklärte, die Android-basierte Software-Architektur mache diese Funktionen komplexer als bei einigen Wettbewerbern, weshalb kurzfristig kaum mit grundlegenden Änderungen zu rechnen sei. Das Fundament mag pragmatisch sein, erschwert hier aber offenbar die Feinheiten.

Trotz bereits ausgelieferter und weiterer angekündigter Updates zeigt sich Fenske wenig überzeugt. Bei rund zweieinhalb Jahren Restlaufzeit seines Leasings tendiert er derzeit dazu, den Wagen zurückzugeben statt ihn zu behalten. Der Fall verweist auf eine größere Aufgabe für junge E-Auto-Anbieter: Probleme lassen sich per Update oft beheben, Vertrauen hingegen kehrt meist langsamer zurück.

Allen Garwin

2026, Jan 12 16:17