EPA will Klimapolitik ändern und Start-Stopp-Gutschriften abschaffen
Die US-Umweltschutzbehörde EPA plant, die rechtliche Grundlage für Treibhausgasregulierung zu kippen und Gutschriften für Start-Stopp-Systeme zu beenden. Erfahren Sie mehr über die Auswirkungen.
Die US-Umweltschutzbehörde EPA kündigt eine grundlegende Wende in ihrer Klimapolitik an. Sie will eine wegweisende Entscheidung aus dem Jahr 2009 zurücknehmen, die noch unter der Präsidentschaft von Barack Obama getroffen wurde. Dabei geht es um die sogenannte "Endangerment Finding" – die Feststellung, dass Treibhausgasemissionen eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit und das Gemeinwohl darstellen. Seit über einem Jahrzehnt bildet diese Feststellung die rechtliche Grundlage für die Regulierung von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen, einschließlich der Emissionen von Fahrzeugen.
Die EPA-Behörden streben nun an, diesen Rahmen zu kippen. Damit würden faktisch die Treibhausgasemissionsstandards für leichte, mittelschwere und schwere Straßenfahrzeuge entfallen. Anders als bei routinemäßigen Anpassungen von Grenzwerten handelt es sich hier um einen Angriff auf die Grundlage selbst, die es den US-Behörden bisher erlaubte, klimabezogene Vorschriften für die Automobilindustrie zu erlassen.
Zugleich plant die Behörde, das System der "grünen" Regulierungsgutschriften für Automobilhersteller abzuschaffen, die für die Ausstattung von Autos mit Start-Stopp-Automatik vergeben wurden. Diese Funktion schaltet den Motor bei kurzen Stopps – etwa an Ampeln – ab und startet ihn wieder, sobald der Fahrer losfährt. In den vergangenen Jahren konnten Hersteller Emissionsminderungsgutschriften für Start-Stopp-Systeme beantragen, selbst wenn deren tatsächlicher Nutzen in standardisierten Laborprüfzyklen nicht vollständig erfasst wurde.
Regulatorisch galten Start-Stopp-Systeme als "Off-Cycle"-Technologie – eine Lösung, die im Alltagsbetrieb Emissionen reduzieren kann, aber in Zertifizierungstests nicht immer vollständig abgebildet wird. Nach US-Regeln wurden Leerlauf-Start-Stopp-Systemen bestimmte CO₂-Gutschriften in Gramm pro Meile zugewiesen. So konnten Pkw je nach Systemkonfiguration Gutschriften von 1,5 g/mi oder 2,5 g/mi erhalten, während leichte Nutzfahrzeuge sogar bis zu 4,4 g/mi erreichen konnten.
Die Technologie selbst ist bei einem Teil der Fahrer seit langem unbeliebt. In der Praxis wird die Start-Stopp-Funktion oft nach dem Motorstart manuell deaktiviert, und in vielen Fahrzeugen aktiviert sie sich bei jedem Neustart automatisch wieder, sodass Fahrer den Prozess wiederholen müssen. Trotz dieses Ärgernisses bleibt Start-Stopp in der Branche weit verbreitet. Der EPA-Bericht "Automotive Trends" verzeichnet für Modelljahr 2023 einen Rekordanteil an benzinbetriebenen Fahrzeugen mit Start-Stopp-Automatik. Schätzungen zufolge beanspruchten mehr als die Hälfte der Neufahrzeuge in den USA solche Gutschriften.
Gleichzeitig zeigen Studien durchgängig, dass das System im Stadtverkehr messbare Kraftstoffeinsparungen bringen kann. Consumer Reports verweist auf SAE-Daten, wonach Tests je nach Fahrzyklus und Betriebsbedingungen Verbesserungen von etwa 7 % bis über 26 % ergeben haben. Auch der deutsche ADAC berichtet von Kraftstoffeinsparungen im Stadtverkehr von rund 15 %.
Dennoch bedeutet das Ende des Gutschriftenmechanismus nicht, dass Start-Stopp-Systeme über Nacht verschwinden werden. Die Technologie basiert auf verstärkter Hardware wie leistungsfähigeren Startern, Lichtmaschinen und Batterien sowie Fahrzeugelektronik, die wichtige Systeme auch bei abgeschaltetem Motor am Laufen hält. Kurzfristig dürften Hersteller eher die Betriebsalgorithmen anpassen oder Fahrern mehr Kontrolle über die Deaktivierung der Funktion geben, anstatt sie ganz zu entfernen.
Allen Garwin
2026, Feb 14 15:43