Humanoide Roboter in der BMW-Produktion: Pilotprojekt in Leipzig
BMW führt humanoide Roboter in der Serienfertigung in Deutschland ein. Erfahren Sie mehr über das Pilotprojekt in Leipzig, die Technologie und die Zukunft der Automatisierung.
Die BMW Group führt erstmals humanoide Roboter in die Serienfertigung in Deutschland ein. Das Pilotprojekt im Werk Leipzig markiert einen weiteren Schritt bei der Umsetzung von Physical AI – der Kombination aus digitaler künstlicher Intelligenz und realen Robotersystemen.
Es handelt sich dabei nicht um eine Labordemonstration, sondern um einen Einsatz im laufenden Produktionsumfeld. In Leipzig werden die Roboter in bestehende Fahrzeugmontageprozesse integriert und auch in der Hochvolt-Batterieproduktion sowie der Komponentenfertigung getestet. Das Werk, das 2024 insgesamt 259.430 Fahrzeuge produzierte und rund 6.600 Mitarbeiter beschäftigt, hat bereits seine Batterieexpertise von der Modulproduktion auf den Zusammenbau von Hochvolt-Batterien ausgeweitet. Nun kommt humanoide Robotik zu einer Produktionslandschaft hinzu, die bereits digitale Zwillinge und automatisierte Logistik umfasst.
Der europäische Pilot wird in Zusammenarbeit mit Hexagon Robotics in Zürich durchgeführt. Der im Juni 2025 als "humanoider Roboter für die Industrie" vorgestellte AEON-Roboter ist speziell für industrielle Anwendungen konzipiert. Laut deutschen Berichten ist AEON etwa 1,65 Meter groß, wiegt rund 60 Kilogramm, erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 2,5 m/s und kann etwa drei Stunden lang arbeiten, bevor er seine Batterie autonom austauscht. Seine menschenähnliche Struktur ermöglicht das Anbringen verschiedener Greifer und Werkzeuge, während eine fahrbare Basis eine flexible Bewegung durch Produktionsbereiche erlaubt. Derzeit arbeiten die Roboter in abgegrenzten Zonen gemäß industrieller Sicherheitsstandards.
Der Schritt nach Europa folgt einem früheren Einsatz in den Vereinigten Staaten. Im Jahr 2025 arbeitete der humanoide Roboter Figure 02 etwa elf Monate lang im BMW Group Werk Spartanburg in der Karosseriefertigung. Er unterstützte die Produktion von mehr als 30.000 BMW X3 Fahrzeugen und lief von Montag bis Freitag in Zehn-Stunden-Schichten. In diesem Zeitraum bearbeitete der Roboter über 90.000 Blechteile, sammelte etwa 1.250 Betriebsstunden und legte rund 1,2 Millionen Schritte zurück. Seine Aufgabe bestand im präzisen Laden und Positionieren von Teilen vor dem Schweißen – ein repetitiver Prozess, der sowohl Genauigkeit als auch Ausdauer erfordert.
BMW betont, dass humanoide Roboter bestehende Automatisierung ergänzen und nicht ersetzen sollen. Der Fokus liegt auf monotonen, ergonomisch anspruchsvollen oder potenziell gefährlichen Aufgaben. Deutsche Berichte stellen zudem klar, dass im Zusammenhang mit den aktuellen Tests keine Stellenstreichungen geplant sind.
Die technologische Grundlage für diese Entwicklung ist die einheitliche IT- und Datenplattform von BMW, die im Rahmen der Produktionsstrategie BMW iFACTORY geschaffen wurde. Basierend auf den Prinzipien Lean, Green und Digital zielt iFACTORY darauf ab, Datentransparenz, nachhaltige Prozesse und flexible Fertigungsstrukturen zu gewährleisten. Die Integration humanoider Systeme erfolgt über standardisierte Schnittstellen innerhalb der Smart-Robotics-Plattform von BMW, was eine skalierbare Umsetzung ermöglicht, sollten sich die Pilotprojekte als erfolgreich erweisen.
Der breitere Kontext ist ein sich rasch entwickelnder Markt für humanoide Robotik. Analysten schätzen, dass der Sektor bis 2035 ein Volumen von mehreren zehn Milliarden Dollar erreichen könnte, mit deutlich größerem langfristigem Potenzial. Gleichzeitig bewerten Automobilhersteller noch, wie effektiv solche Systeme unter realen Serienfertigungsbedingungen arbeiten können. Die Erfahrungen in Spartanburg deuteten darauf hin, dass die Übertragung trainierter Bewegungsabläufe aus Laborumgebungen in stabile Schichtbetriebe schneller erfolgen könnte als erwartet.
Erste Labortests in Leipzig wurden Ende 2025 abgeschlossen. Weitere Versuche sind ab April 2026 geplant, die vollständige Pilotphase soll im Sommer beginnen. Falls die Ergebnisse die Erwartungen bestätigen, könnten humanoide Roboter nicht zu einem Demonstrationsprojekt, sondern zu einer praktischen Ergänzung der modernen Automobilfertigung werden.
Mark Havelin
2026, Mär 01 20:20