MAN baut Serviceinfrastruktur für Elektro-Lkw und -Busse aus

MAN investiert 300 Millionen Euro in Serviceinfrastruktur und Elektromobilität
mantruckandbus.com

MAN investiert bis 2030 300 Millionen Euro in sein europäisches Servicenetz, um die Serviceverfügbarkeit zu verbessern und auf Elektromobilität vorzubereiten. Erfahren Sie mehr über neue Standorte und Ladestationen.

MAN Truck & Bus kündigt die größte Investition in die Serviceinfrastruktur seiner Unternehmensgeschichte an. Bis 2030 will der Nutzfahrzeughersteller rund 300 Millionen Euro in den Ausbau und die Modernisierung seines europäischen Servicenetzes stecken. Das Programm soll die Serviceverfügbarkeit für Kunden deutlich verbessern und das Netzwerk gleichzeitig auf neue Marktanforderungen vorbereiten – etwa auf die Elektromobilität und digitalisierte Abläufe.

Die Investition umfasst mehrere Schwerpunkte. Ein Teil des Geldes fließt in die Eröffnung neuer Service-Standorte, die Modernisierung bestehender Werkstätten und eine bessere regionale Abdeckung. MAN will die Distanz zwischen Kunden und Werkstätten verringern. Ziel ist es, dass fast 80 Prozent der Kunden innerhalb von 30 Minuten den nächsten MAN-Service erreichen können. Zu den Prioritätsmärkten zählen Deutschland, Österreich, die Schweiz, Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien, Polen und die Türkei. Um dieses Ziel zu erreichen, plant das Unternehmen in diesen Ländern durchschnittlich etwa sieben neue Standorte pro Jahr zu eröffnen.

MAN betreibt bereits eines der größten Servicenetze für Nutzfahrzeuge in Europa. Das Netzwerk umfasst derzeit rund 1.200 eigene und Partnerbetriebe mit etwa 7.000 Mitarbeitern. Zusätzlich unterstützen mehr als 2.000 Servicezentren und Kooperationspartner die Kunden über den rund um die Uhr verfügbaren MAN Mobile24-Pannendienst. Allein in Deutschland verfügt MAN mit über 340 Service-Standorten bereits über das größte herstellereigene Servicenetz.

Service entwickelt sich nach Unternehmensangaben zu einem immer wichtigeren Wettbewerbsfaktor in der Nutzfahrzeugbranche. Anders als bei Pkw hängt das Truckgeschäft stark von der Fahrzeugverfügbarkeit ab. Selbst kurze Ausfallzeiten können für Transportunternehmen erhebliche finanzielle Verluste bedeuten. Deshalb sind die Nähe zu Serviceeinrichtungen und schnelle Wartungsmöglichkeiten für Kunden ein entscheidendes Kriterium.

Ein wesentlicher Teil der Investition dient der Vorbereitung des Servicenetzes auf die Elektromobilität. Rund ein Drittel des 300-Millionen-Euro-Pakets ist für Elektrifizierungs- und Digitalisierungsinitiativen vorgesehen. Bis 2026 plant MAN, dass etwa zwei von drei Service-Standorten für die Betreuung von Elektro-Lkw und -Bussen gerüstet sein sollen.

Die Vorbereitungen für diesen Wandel laufen bereits. Rund 8.000 Mitarbeiter in ganz Europa absolvieren derzeit Zusatzschulungen zur Elektromobilität – vom Verkaufspersonal bis hin zu Hochvolt-Mechanikern. In Deutschland wird das Budget für E-Mobilitätstrainings im Rahmen des Investitionsprogramms verdoppelt.

Parallel dazu baut MAN seine Batteriereparatur-Infrastruktur aus. Eigene Batteriereparaturzentren sind bereits in Deutschland, Spanien, Belgien, Österreich und Italien in Betrieb. Das österreichische Zentrum dient als regionale Drehscheibe für Nachbarländer wie Tschechien, die Slowakei und Ungarn. Über Partnernetze sind ähnliche Dienstleistungen bereits in Schweden verfügbar und sollen in naher Zukunft auch in den Niederlanden angeboten werden. Langfristiges Ziel ist es, Batteriereparatur-Kapazitäten in allen europäischen Märkten aufzubauen.

Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Ladeinfrastruktur für Elektro-Lkw. In Zusammenarbeit mit dem Energieunternehmen E.ON plant MAN, viele seiner Service-Standorte mit öffentlich zugänglichen Ladestationen auszustatten. Das Projekt umfasst bis zu 400 Ladepunkte an rund 170 Standorten in ganz Europa, darunter bis zu 125 in Deutschland. Mehrere Stationen sind bereits in Betrieb, etwa in Berlin-Wildau, Fürstenwalde, Karlsfeld, Eugendorf und Čestlice.

Neben der Elektrifizierung umfasst das Modernisierungsprogramm auch Verbesserungen an den Serviceeinrichtungen selbst. MAN plant, an vielen Standorten den Einsatz von Photovoltaikanlagen auszuweiten, LED-Beleuchtung einzuführen und moderne Heizsysteme zu installieren. Gleichzeitig digitalisiert das Unternehmen die Werkstattprozesse weiter. Serviceberater und Techniker nutzen bereits iPads für Serviceaufträge, Dokumentation und Kommunikation. Zukünftige Pläne sehen die Einführung digitaler Anwendungen und KI-Tools vor, um Serviceabläufe weiter zu optimieren.

Die Investition in das Servicenetz ist Teil einer breiteren Strategie, mit der MAN seine Position auf dem europäischen Nutzfahrzeugmarkt stärken will. Da der Wettbewerb zunimmt und die Technologien sich weiterentwickeln, betrachten Hersteller Service zunehmend nicht mehr nur als After-Sales-Dienstleistung, sondern als Schlüsselelement im Fahrzeugbetriebs-Ökosystem. MAN ist überzeugt, dass die Kombination aus Fahrzeugen, hochwertigem Service und einer starken Infrastruktur in den kommenden Jahren eine entscheidende Rolle für die Wettbewerbsfähigkeit spielen wird.

Mark Havelin

2026, Mär 08 20:14