BMW 2025: Stabile Finanzen und Elektro-Wachstum trotz Herausforderungen
Die BMW Group erzielte 2025 robuste Ergebnisse mit Gewinn über 10 Mrd. Euro trotz Zolldruck und China-Schwäche. Elektro-Absatz stieg auf 442.056 Fahrzeuge, NEUE KLASSE startet 2026.
Die BMW Group hat das Jahr 2025 trotz wachsendem Zolldruck, eines schwachen Marktes in China und eines härteren globalen Umfelds für die Automobilindustrie mit robusten Ergebnissen abgeschlossen. Das Unternehmen hielt den Gewinn vor Steuern über 10 Milliarden Euro und die Konzern-EBT-Marge bei 7,7 Prozent – unverändert zum Vorjahr. Der Nettogewinn blieb erneut über 7 Milliarden Euro, was BMW die Grundlage gibt, eine Dividende in etwa auf Vorjahreshöhe vorzuschlagen.
Diese Stabilität führt der Konzern auf eine Strategie zurück, die er seit Jahren konsequent verfolgt. BMW setzt weiter auf einen technologieoffenen Ansatz, der mehrere Pfade gleichzeitig offenhält: Verbrennungsmotoren, Plug-in-Hybride, vollelektrische Fahrzeuge und später auch Wasserstoff-Brennstoffzellenmodelle. Für das Unternehmen ist das nicht nur eine Frage der Produktbreite, sondern auch ein Weg, ausgewogen zu bleiben, während sich die Kundennachfrage in den Regionen unterschiedlich schnell entwickelt.
Die Absatzzahlen spiegeln diese Logik wider. 2025 lieferte die BMW Group 2.463.681 Fahrzeuge an Kunden aus, leicht über dem Niveau von 2024. Ein Rückgang in China um 12,5 Prozent wurde durch Zuwächse in Europa und Amerika ausgeglichen. Europa wuchs um 7,3 Prozent, Amerika um 5,6 Prozent. China blieb jedoch der Hauptdruckpunkt. BMW und MINI verkauften dort 625.527 Fahrzeuge, und das Unternehmen räumte selbst ein, dass Preis- und Produktmaßnahmen zur Stabilisierung der Transaktionspreise in diesem Markt die Performance weiter belasten werden, insbesondere im ersten Halbjahr 2026.
Vor diesem Hintergrund bleibt die Elektrifizierung zentral für die Position von BMW. 2025 verkaufte der Konzern 442.056 vollelektrische Fahrzeuge, ein Plus von 3,6 Prozent im Jahresvergleich. BEV machten 17,9 Prozent des Gesamtabsatzes aus – fast jedes sechste ausgelieferte Fahrzeug der BMW Group war also rein elektrisch. Zusammen mit Plug-in-Hybriden erreichten die elektrifizierten Auslieferungen 642.071 Fahrzeuge, etwa ein Viertel aller Verkäufe. In Europa lag dieser Anteil sogar bei rund 40 Prozent.
Diese Verschiebung half BMW auch, seine Emissionsziele in Europa zu erreichen. Nach vorläufigen Berechnungen des Unternehmens lagen die durchschnittlichen Flottenemissionen in der EU27+2-Region 2025 bei 90,0 g/km WLTP, nach 99,5 g/km im Vorjahr. Mit einem individuellen Ziel von 92,9 g/km erfüllte BMW die Vorgaben nicht nur, sondern übertraf sie. Der Konzern betonte zudem, dieses Ergebnis ohne Pooling und ohne Nutzung temporärer regulatorischer Flexibilitäten erreicht zu haben.
Die Finanzdaten zeigen, wo BMW Stabilität bewahrte und wo der Druck bereits sichtbar wurde. Die Konzernumsätze beliefen sich im Jahr auf 133,453 Milliarden Euro, ein Minus von 6,3 Prozent gegenüber 2024. Das EBIT sank auf 10,186 Milliarden Euro, der Gewinn vor Steuern lag bei 10,236 Milliarden Euro. Im Automobilsegment stand die EBIT-Marge bei 5,3 Prozent – noch innerhalb des Zielkorridors von 5 bis 7 Prozent, aber unter den 6,3 Prozent des Vorjahres. BMW erklärte direkt, dass allein zusätzliche Zolleffekte diese Marge 2025 um etwa 1,5 Prozentpunkte gedrückt hätten.
Zölle sind auch eines der Hauptthemen für 2026. BMW erwartet, dass sie das Automobilgeschäft weiter belasten und die Segmentmarge um weitere 1,25 Prozentpunkte schmälern werden. Vor diesem Hintergrund prognostiziert das Unternehmen eine Automobil-EBIT-Marge im Bereich von 4 bis 6 Prozent und verweist auf einen moderaten Rückgang des Konzerngewinns vor Steuern in diesem Jahr. Gleichzeitig erwartet BMW, einen Teil der Last durch weitere Kostensenkungen, geringere Investitionen, Einsparungen in der Produktion und striktere Kostendisziplin auszugleichen. 2025 hatte dieser Ansatz bereits einen sichtbaren Effekt gebracht, mit einer Gesamtkostenreduktion von 2,5 Milliarden Euro.
Die Produktgeschichte hinter den Zahlen ist ebenso wichtig. BMW nannte als Hauptwachstumstreiber die 5er-Reihe, deren Absatz um mehr als ein Viertel stieg, und den X2 mit einem Plus von 33 Prozent. BMW M verzeichnete ein weiteres Rekordjahr, das vierzehnte in Folge, mit 213.449 verkauften Fahrzeugen. Unter den vollelektrischen Modellen verzeichneten der i5, der iX2 und der iX1 jeweils deutliches Wachstum.
MINI hatte ein besonders starkes Jahr. Die Marke steigerte den Absatz auf 288.278 Fahrzeuge, ein Plus von 17,7 Prozent. Der Countryman war das meistverkaufte Modell, während der Aceman, das neue Cabrio und der vollelektrische Cooper alle zur Expansion beitrugen. Mehr als 105.000 vollelektrische MINI wurden an Kunden ausgeliefert, und BEV machten über 36 Prozent des Gesamtabsatzes der Marke aus.
Rolls-Royce erreichte unterdessen fast das Vorjahresniveau, mit 5.664 Auslieferungen gegenüber 5.712 ein Jahr zuvor. Die Nachfrage war am stärksten nach dem Cullinan und dem vollelektrischen Spectre, was unterstreicht, wie selbst das Ultraluxussegment allmählich auf neue Antriebsformate umschwenkt.
Eine der zentralen Erzählungen von BMW für die nahe Zukunft ist die Anlaufphase der NEUEN KLASSE. Das Unternehmen sieht darin bereits einen prägenden Schritt für 2026. Nach der Weltpremiere des vollelektrischen iX3 auf der IAA im September 2025 erwies sich die Nachfrage als so stark, dass jeder dritte in Europa vorbestellte elektrische BMW ein iX3 ist. Das Werk in Debrecen, wo das Modell anläuft, arbeitet bereits in zwei Schichten. Für BMW ist das mehr als die Einführung eines neuen Autos. Es markiert den Start der nächsten technologischen Phase des Konzerns, wobei die NEUE KLASSE neue Lösungen in das breitere Portfolio tragen soll. Bis 2027 plant BMW, mehr als 40 neue oder aktualisierte Modelle einzuführen, darunter neue Versionen der 3er-Reihe und des X5.
Der Standort Debrecen selbst hat auch strategisches Gewicht. BMW beschreibt ihn als sein erstes Automobilwerk, das für den Betrieb ohne fossile Brennstoffe im Normalbetrieb konzipiert ist. Dort werden auch Hochvoltbatterien produziert, was die Fabrik zu einer zentralen industriellen Basis für die nächste Generation elektrischer Fahrzeuge des Konzerns macht.
Auf Unternehmensebene versucht BMW zudem, für die Aktionäre Planbarkeit zu wahren. Auf der Hauptversammlung am 13. Mai 2026 wird das Unternehmen eine Dividende von 4,40 Euro je Stammaktie und 4,42 Euro je Vorzugsaktie vorschlagen. Die Gesamtausschüttung soll sich auf 2,672 Milliarden Euro belaufen, bei einer Ausschüttungsquote von 36,6 Prozent. Gleichzeitig setzt BMW ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu 2 Milliarden Euro fort, das spätestens bis zum 30. April 2027 abgeschlossen sein soll. Zudem sollen die Aktionäre über einen vorgeschlagenen 1:1-Umtausch aller Vorzugsaktien in stimmberechtigte Stammaktien ohne zusätzliche Zahlungsverpflichtung abstimmen.
Am Ende liest sich der BMW-Bericht für 2025 weniger wie eine Geschichte reinen Wachstums und mehr wie ein Beleg für Widerstandsfähigkeit unter Druck. Der Konzern geht mit starken Marken, einem funktionierenden Elektroportfolio, bewährter Kostendisziplin und einem großen Technologie-Start vor sich in das Jahr 2026. Doch die eigene Prognose macht auch die Grenzen dieser Resilienz deutlich: Zölle, Schwäche in China, Währungseffekte und ein weicherer Gebrauchtwagenmarkt werden allesamt auf absehbare Zeit ernste Faktoren bleiben.
Mark Havelin
2026, Mär 14 11:52