CUPRA Raval: Innovativer Sitz aus recyceltem Garn
CUPRA stellt für den elektrischen Raval Sitzbezüge in einem Stück per 3D-Stricktechnik her – ohne Nähte, Abfall und mit lokalem Recycling.
CUPRA hat einen Sitz vorgestellt, der Nähen praktisch überflüssig macht: Die Bezüge für den kommenden elektrischen Raval entstehen in einem einzigen Durchgang auf einer Strickmaschine – ohne Schnitte und ohne Abfall. Für die Automobilindustrie ist dies ein seltener Fall, in dem Struktur, Design und Fertigung in einem Prozess verschmelzen.
Die Entwicklung betrifft die CUP Bucket-Sitze für den kompakten elektrischen CUPRA Raval, ein Modell, das in Barcelona entwickelt und produziert werden soll. Der Bezug wird als einteiliges Stück mittels 3D-Stricktechnik gefertigt, wobei Muster, Nähte und Befestigungselemente in einem Schritt integriert werden. Das Ergebnis ist eine präzise Passform ohne zusätzliche Montage. Laut CUPRA wurde ein Prozess, der früher mehrere Zulieferer erforderte, auf einen einzigen Partner reduziert: Tesca.
Dieser Wandel verändert die Produktionslogik. Statt getrennter Schritte wie Färben, Perforieren, Zuschneiden und Nähen wird der Prozess vollständig digital und durchgängig. Tesca erläutert, dass das Design in Software übersetzt wird, sodass Maschinen die gesamte Struktur mit verschiedenen Garnen in einem Arbeitsgang stricken können. Dieser Ansatz vereinfacht die Lieferkette und beschleunigt Design-Updates, da Farben und Formen angepasst werden können, ohne das gesamte Fertigungssystem neu konfigurieren zu müssen.
Nachhaltigkeit ist ein zentrales Element des Projekts. Das Garn wird aus recyceltem Plastik hergestellt, das aus dem Mittelmeer gesammelt und lokal in der Nähe der Produktionsstätten produziert wird. Der gesamte Prozess konzentriert sich auf einen Radius von etwa 100 Kilometern um den Fahrzeugstandort. CUPRA betont, dass dies Transportwege reduziert und sogenannten „Materialtourismus“ vermeidet, bei dem Materialien vor der Endmontage mehrere Standorte durchlaufen. Das Material ist nicht nur recycelt, sondern auch vollständig recycelbar.
Die Nutzung von 3D-Stricktechnik ist in anderen Branchen bereits etabliert, insbesondere in der Schuh- und Textilindustrie, wo nahtlose Konstruktion und Abfallreduzierung entscheidende Vorteile sind. In der Automobilbranche bleibt sie jedoch begrenzt. Forschung und Pilotprojekte zeigen, dass die Technologie komplexe Formen direkt in ihrer Endgestalt erzeugen und Fertigungsschritte reduzieren kann. Gleichzeitig bleiben Anforderungen an Haltbarkeit, Verschleißfestigkeit und strukturelle Stabilität kritische Faktoren.
Vor diesem Hintergrund geht CUPRAs Lösung über ein reines Designmerkmal hinaus und deutet auf einen breiteren Wandel hin, wie Innenraumkomponenten produziert werden können. Die Marke hat bereits zuvor recycelte Materialien in ihren Fahrzeugen verwendet, doch im Raval werden diese mit einer neuen Fertigungsmethode und einer lokalisierten Lieferkette kombiniert.
Der CUPRA Raval soll im April 2026 weltweit debütieren, mit Markteinführung im Sommer. Als kompaktes urbanes Elektrofahrzeug positioniert, wird er eine Reichweite von bis zu 450 Kilometern und einen Startpreis von rund 26.000 Euro bieten. Die einteiligen gestrickten Sitzbezüge werden zu einem prägenden Element seines Innenraumdesigns und Produktionsansatzes.
Mark Havelin
2026, Mär 30 17:30